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Boston Dynamics hat am Standort der Hyundai Motor Group Metaplant America nahe Savannah, Georgia, ein Trainingszentrum für den humanoiden Roboter Atlas eröffnet. Das sogenannte Robotics Metaplant Application Center (RMAC) soll Atlas direkt in realistischen Fertigungsumgebungen auf industrielle Aufgaben vorbereiten. Der Zeitplan ist konkret: Ab 2028 soll Atlas erstmals in der laufenden Produktion eingesetzt werden.
Stufenplan mit klaren Terminen
Der Einstieg erfolgt bewusst zurückhaltend. Zunächst konzentriert sich Atlas auf Logistik und Teilesequenzierung, also die Bereitstellung von Komponenten in der richtigen Reihenfolge vor dem Einbau. Montageaufgaben sind erst ab 2030 vorgesehen. Perspektivisch sieht Boston Dynamics den Roboter auch bei körperlich belastenden und repetitiven Tätigkeiten, etwa beim Heben schwerer Lasten.
Das Training der Systeme kombiniert drei Methoden: Teleoperation, bei der menschliche Operatoren Bewegungsabläufe direkt vorgeben, Reinforcement Learning in Simulationsumgebungen sowie den Einsatz sogenannter UMI-Geräte, mit denen Bewegungsdaten erfasst werden. Damit soll Atlas Fertigkeiten aufbauen, die sich auf reale Produktionssituationen übertragen lassen.
Die erste Ausbaustufe des RMAC ist bereits in Betrieb. Für 2027 ist ein Umzug in ein neues Gebäude auf dem Metaplant-Campus geplant. Die verfügbare Fläche soll sich dann verzehnfachen.
Skalierung auf 25.000 Einheiten geplant
Hyundai Motor Group plant, insgesamt 25.000 Atlas-Roboter in den weltweiten Werken der Marken Hyundai und Kia einzusetzen. In den USA ist eine Produktionsstätte vorgesehen, die bis zu 30.000 Roboter pro Jahr fertigen kann. Ob diese Kapazität ausschließlich für humanoide Systeme gedacht ist oder auch andere Boston-Dynamics-Plattformen wie den vierbeinigen Spot oder den Lagerroboter Stretch umfasst, geht aus den bisherigen Angaben nicht eindeutig hervor.
Den Hintergrund dieser Partnerschaft bildet die Eigentümerstruktur: Hyundai übernahm Boston Dynamics 2021 mehrheitlich. Die verbleibenden 9,65 Prozent erwarb der Konzern von Softbank für rund 325 Millionen Dollar. Das gibt Hyundai direkten Zugriff auf Entwicklung und Produktion, ohne auf externe Lieferketten angewiesen zu sein.
Interner Großkunde als strategischer Vorteil
Viele Anbieter humanoider Roboter testen ihre Systeme in kleinen Stückzahlen bei wechselnden Industriekunden. Boston Dynamics hat mit Hyundai einen konzerneigenen Abnehmer in einer Größenordnung, die andere nicht vorweisen können. Das beschleunigt den Übergang vom Labor in die Serienfertigung erheblich.
Allerdings ist dieses Modell nicht einzigartig. Toyota kündigte an, mittelfristig rund 400.000 selbst entwickelte humanoide Roboter in seinen Werken einzusetzen. Der Wettbewerb unter den großen Automobilherstellern um die frühzeitige Integration humanoider Systeme hat damit konkrete Dimensionen angenommen.
Europa und andere Branchen im Blick
Aus dem Hyundai-Werk im tschechischen Nošovice kommt belegbares Interesse. Petr Michník von Hyundai Motor Manufacturing Czech hat gegenüber der Czech Automotive Industry Association erklärt, mit Boston Dynamics und der Konzernzentrale über den Einsatz von Atlas zu sprechen. Er erwartet, dass die Einführung humanoider Roboter schneller verlaufen wird als die Einführung autonomer Fahrzeuge.
Ab 2027 will Boston Dynamics prüfen, welche Einsatzfelder außerhalb der Automobilindustrie infrage kommen. Konkrete Branchen oder Kunden wurden bislang nicht genannt.
Fazit
Für Produktionsverantwortliche in der Automobil- und Zulieferindustrie liefert die Hyundai-Initiative einen ersten belastbaren Referenzrahmen: Teilesequenzierung und Materiallogistik sind die realistischen Einstiegspunkte, nicht die vollständige Montage. Der Zeitraum bis 2028 für erste operative Einsätze ist eng kalkuliert. Wer humanoide Roboter in seiner eigenen Planung berücksichtigt, sollte diesen Stufenplan als Orientierungsgröße nehmen, nicht als Versprechen.




















