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83 Windenergieanlagen drehen sich seit Ende August 2026 vollständig kommerziell in der Nordsee. Borkum Riffgrund 3 hat eine installierte Leistung von 913 MW und ist damit einer der leistungsstärksten Offshore-Windparks in deutschen Gewässern. Der Weg dorthin dauerte länger als geplant, und die Ursache lag nicht bei den Turbinen.

Fertige Anlagen, fehlende Netzanbindung

Die letzte der 83 Turbinen stand bereits im Januar 2025. Jede Anlage stammt von Siemens Gamesa und leistet 11 MW. Die Rotoren haben einen Durchmesser von bis zu 200 Metern. Der eigentliche Bau des Parks war damit abgeschlossen.

Strom abtransportieren konnte Ørsted trotzdem nicht. Die Netzanbindung über das Hochspannungs-Gleichstrom-Übertragungssystem DolWin5, betrieben von TenneT, war nicht rechtzeitig fertig. Als Ursache nannte Ørsted unter anderem Fertigungsverzögerungen an der Konverterplattform in Singapur, bedingt durch Folgen der Corona-Pandemie. Der ursprünglich geplante Termin verschob sich von Ende 2025 auf das erste Quartal 2026.

Am 3. Dezember 2025 speiste der Park erstmals Strom ins deutsche Übertragungsnetz ein. Auch danach lief nicht alles planmäßig. Wiederholte ungeplante Ausfälle und Abregelungen im Netz sowie schlechtes Wetter auf See verzögerten die vollständige Inbetriebnahme weiter. Ørsted verschob den Termin noch einmal auf das dritte Quartal 2026.

Vollbetrieb seit 31. August 2026

Seit dem 31. August 2026 ist Borkum Riffgrund 3 vollständig im kommerziellen Betrieb. Der Park liegt rund 53 Kilometer vor Borkum und 72 Kilometer vor der niedersächsischen Küste. Er erstreckt sich über eine Fläche von rund 75 Quadratkilometern. Eigentümer sind Ørsted und Nuveen Infrastructure zu gleichen Teilen.

Es ist der sechste Offshore-Windpark von Ørsted in Deutschland.

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Neues Anschlusskonzept ohne Umspannplattform

Borkum Riffgrund 3 ist der erste Offshore-Windpark von Ørsted in Deutschland ohne eigene Offshore-Umspannstation. Die Windkraftanlagen sind über 66-Kilovolt-Anschlusskabel direkt mit der Übertragungsinfrastruktur von TenneT verbunden. Dieses Konzept haben Ørsted und TenneT gemeinsam entwickelt. Es reduziert die Komplexität auf See, verlagert aber die Abhängigkeit auf die Festlandinfrastruktur.

Die installierte Leistung von 913 MW übersteigt die Kapazität der Netzanbindung DolWin5 leicht. Diese ist auf 900 MW ausgelegt. Die Differenz von 13 MW ergibt sich daraus, dass nicht alle Turbinen gleichzeitig ihre volle Nennleistung einspeisen. Das ist bei Offshore-Windparks üblich und kein Planungsfehler.

Industriekunden sichern sich Erzeugungskapazität

Einen Teil der Stromerzeugung haben Großabnehmer vertraglich gesichert. Amazon, BASF und Google haben Power Purchase Agreements, kurz PPAs, mit Ørsted abgeschlossen. Das sind langfristige Direktlieferverträge, die Erzeugern Planungssicherheit geben und Abnehmern den Strombezug zu festen Konditionen sichern.

Ørsted hatte den Zuschlag für Borkum Riffgrund 3 mit einem Gebot von 0 Cent pro Kilowattstunde erhalten. Das bedeutet: Der Park erhält keine staatliche Marktprämie. Ørsted trägt das volle Marktpreisrisiko. Die Projektkosten liegen nach Unternehmensangaben bei rund 2,5 Milliarden Euro.

Was der Fall für Betreiber und Einkäufer bedeutet

Das Beispiel Borkum Riffgrund 3 zeigt ein strukturelles Problem beim Offshore-Ausbau in Deutschland. Turbinen können fertig montiert sein, während fehlende oder ausgefallene Netzanbindungen den Betrieb blockieren. Zwischen der letzten installierten Turbine und dem vollständigen Betrieb lagen in diesem Fall mehr als 18 Monate.

Für Industrieunternehmen, die PPAs mit Offshore-Projekten abschließen, bedeutet das: Verzögerungen bei der Netzanbindung können den vereinbarten Lieferbeginn erheblich verschieben. Wer Strom aus Neubauprojekten vertraglich plant, sollte Pufferzeiten einkalkulieren und Vertragsklauseln für Netzausfälle prüfen.

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Mit der Vollinbetriebnahme von Borkum Riffgrund 3 liegt die installierte Offshore-Windleistung in Deutschland nun über 10 Gigawatt. Der Ausbau hängt weiterhin stark davon ab, ob Netzanbindungen termingerecht fertiggestellt werden.

Fazit

Borkum Riffgrund 3 ist technisch wie kaufmännisch ein ungewöhnliches Projekt: kein Fördergebot, kein Umspannwerk auf See, Großabnehmer aus der Industrie als Direktkunden. Die Verzögerung von über 18 Monaten zwischen Fertigstellung der Turbinen und Vollbetrieb zeigt dennoch ein klares Muster. Die Geschwindigkeit des Offshore-Ausbaus wird nicht durch die Anlagenhersteller begrenzt, sondern durch die Netzinfrastruktur. Das betrifft Planer, Einkäufer und Netzbetreiber gleichermaßen.