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Ein Forschungsteam der Constructor University in Bremen hat ein digitales Rückverfolgungssystem für Verpackungen vorgestellt. Es nutzt Blockchain-Technologie, um jede Phase im Lebenszyklus einer Verpackung fälschungssicher zu dokumentieren. Die Ergebnisse wurden am 18. August 2026 veröffentlicht. Für Unternehmen im Handel und in der verarbeitenden Industrie ist das Modell relevant: Die EU plant verbindliche digitale Produktpässe, und die Zeit zur Vorbereitung wird knapper.
Was das System leistet
Das Modell weist jeder Verpackungseinheit einen digitalen Herkunftsnachweis zu, den Fachleute als Chain-of-Custody bezeichnen. Gemeint ist damit die lückenlose Dokumentation aller Besitz- und Verarbeitungsstationen einer Einheit. Die Blockchain sorgt dafür, dass diese Datensätze im Nachhinein nicht verändert werden können.
Erfasst werden alle relevanten Stationen: Herstellung, Auslieferung, Rückgabe und Wiederverwendung. Dazu kommen CO2-Daten in Echtzeit. Das System verknüpft diese Informationen mit QR-Codes oder smarten Barcodes. Käufer können den Lebenszyklus ihrer Verpackung damit direkt einsehen. Für Unternehmen entsteht so eine prüfbare Grundlage für Nachhaltigkeitsberichte.
Das Team besteht aus den Universitäts-Alumni Benedetta Kyalo und Ershed Telfort, dem Postdoktoranden Dr. Mohammad Yaser Mofatteh sowie Professor Dr. Omid Fatahi Valilai. Getestet wurde das Modell zunächst in der europäischen Schuhbranche.
Relevanz für den digitalen Produktpass
Die Europäische Kommission hat Ende 2022 erstmals eine direkt wirkende Verordnung für harmonisierte Verpackungsregeln in der EU auf den Weg gebracht. Der digitale Produktpass, kurz DPP, ist ein zentrales Instrument dieser Regulierung. Er soll Materialdaten, Recyclingfähigkeit und Herkunftsnachweise für Produkte und Verpackungen verbindlich erfassen.
Das Bremer Modell ist explizit so konzipiert, dass es diese Anforderungen abdeckt. Es berücksichtigt außerdem Lieferkettengesetze und die erweiterte Herstellerverantwortung, auf Englisch Extended Producer Responsibility, kurz EPR. Unternehmen, die heute in solche Strukturen investieren, reduzieren den Anpassungsaufwand, wenn die EU-Vorgaben verbindlich greifen.
Standardisierte Rücksendelogistik als Kernstück
Ein praktischer Schwerpunkt des Modells liegt auf der Rücksendelogistik. Viele Betriebe scheitern nicht an fehlenden Nachhaltigkeitszielen, sondern an der operativen Umsetzung. Das System standardisiert die Prozesse für Rückgabe, Reinigung und Wiederverwendung von Verpackungen.
Im E-Commerce fallen große Mengen Karton und Kunststoff an. Mehrwegfähige Verpackungen sind technisch möglich, aber ohne verlässliche Rückgabe- und Trackingsysteme wirtschaftlich kaum darstellbar. Das Bremer Modell liefert hierfür eine digitale Infrastruktur. Verpackungen werden über das System eindeutig identifiziert, ihr Zustand erfasst und ihre Wiederverwendbarkeit bewertet.
Ähnliche Ansätze verfolgen auch andere Akteure. Das Heilbronner Unternehmen reo entwickelt eine Plattform, die Verpackungsrückgaben an Pfandautomaten erfasst und die Daten auswertbar macht. Der Markt für digitale Verpackungskreisläufe wächst.
Anreize für die Rückgabe
Das Forschungsmodell sieht auch digitale Belohnungssysteme vor, um Verbraucher zur aktiven Rückgabe zu motivieren. Für Industrieunternehmen mit direktem Endkundenkontakt ist das ein relevanter Hebel. Ohne ausreichende Rückgabequoten lassen sich Kreislaufsysteme nicht wirtschaftlich betreiben.
Die Studie zeigt, dass Anreize und Transparenz zusammen wirken. Wer den Lebenszyklus seiner Verpackung per QR-Code einsehen kann, verbindet die Rückgabe mit einer nachvollziehbaren Wirkung. Das erhöht die Beteiligung messbar, wie die Forschenden berichten.
Fazit
Das Modell der Constructor University adressiert konkrete regulatorische Anforderungen, die auf Unternehmen im Handel und in der Industrie zukommen. Wer Verpackungsvolumina im Mehrwegsegment betreibt oder plant, findet hier einen strukturierten Ansatz für die digitale Dokumentation. Die Frage ist nicht mehr, ob digitale Produktpässe kommen, sondern wie schnell Betriebe ihre Systeme anpassen können.




















