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Knapp 2.000 Arbeitsplätze, drei Produktionsstandorte, eine auslaufende Frist: Bei BioNTech entscheidet sich in diesen Tagen, ob die deutschen Fertigungswerke in Marburg, Tübingen und Idar-Oberstein einen Käufer finden oder geordnet abgewickelt werden. Ende September 2026 war die selbst gesetzte Frist für Kaufinteressenten. Danach gilt: Schließung bis Ende 2027.

Drei Standorte, unterschiedliche Profile

Das Werk in Marburg ist das bekannteste der drei. BioNTech hatte die Anlage 2020 vom Schweizer Konzern Novartis übernommen. Auf dem Höhepunkt der Corona-Pandemie liefen dort hunderte Millionen Impfstoffdosen vom Band. Heute sind dort 540 Stellen gefährdet.

In Idar-Oberstein, Rheinland-Pfalz, produzierte BioNTech kleinere Chargen mRNA-basierter Impfstoffe sowie Zell- und Gentherapeutika. Laut früheren Unternehmensangaben stehen dort mehr als 400 Arbeitsplätze zur Disposition.

Den größten Stellenabbau träfe Tübingen in Baden-Württemberg. Rund 820 Beschäftigte arbeiten dort in Laboren, die einst auch dem Konkurrenten CureVac als Entwicklungsstandort für mRNA-Impfstoffe dienten.

Überkapazität als Hauptgrund

BioNTech begründet den Rückzug mit einer unternehmensweiten Netzwerkanalyse. Das Ergebnis: Die kommerziellen und klinischen mRNA-Produktionskapazitäten übersteigen die tatsächliche Nachfrage. Nach dem Ende der Pandemie brachen die Umsätze ein. Aus Gewinnen wurden Verluste. Kein einziges der zahlreichen Krebsmedikamente, die das Unternehmen derzeit entwickelt, ist bislang auf dem Markt.

Kapazitäten, die unter Ausnahmebedingungen aufgebaut wurden, rechnen sich im Normalbetrieb oft nicht. BioNTech konzentriert sich künftig auf den Hauptsitz in Mainz sowie die Bürostandorte Berlin und München.

Käufersuche mit ungewissem Ausgang

Ob für einzelne Standorte ein Käufer gefunden wird, ist unklar. Dem Vernehmen nach laufen zumindest für einzelne Werke Gespräche. BioNTech äußert sich dazu nicht. Der US-Konzern Moderna, einst Konkurrent im Rennen um den Corona-Impfstoff, hatte zeitweise Interesse am Marburger Werk signalisiert. Zuletzt war davon nichts mehr zu hören.

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Roland Strasser, Landesbezirksleiter der Industriegewerkschaft IGBCE in Rheinland-Pfalz, zweifelt am ernsthaften Verkaufswillen des Managements. Er bezeichnete die Käufersuche als Beruhigungspille. Sein weiterer Einwand hat versorgungspolitisches Gewicht: Mit der Schließung gehe mRNA-Produktions-Know-how verloren, das im Fall einer neuen Pandemie nicht kurzfristig wiederherstellbar sei. Die Produktion des Corona-Impfstoffs soll künftig Pfizer übernehmen, voraussichtlich in den USA.

Gründer verlassen das Unternehmen

Der Werksabbau fällt zeitlich mit einem Führungswechsel zusammen. Die BioNTech-Gründer Özlem Türeci und Uğur Şahin scheiden Ende 2026 aus dem Unternehmen aus. Sie wollen ein eigenes Unternehmen namens Arife aufbauen, das sich der mRNA-Forschung widmet. Aktuell streiten sie mit BioNTech um Patente und Beschäftigte. Nachfolger an der Spitze wird der Pharmamanager Guido Oelkers, bisher beim schwedischen Unternehmen Sobi tätig.

Fazit

Für Unternehmen in der Zulieferkette, in der Personaldienstleistung oder in der regionalen Wirtschaft rund um Marburg, Tübingen und Idar-Oberstein ist der Ausgang der Käuferfrist unmittelbar relevant. Wird kein Investor gefunden, fallen bis Ende 2027 fast 2.000 qualifizierte Stellen in der Biotechproduktion weg. Produktionskapazitäten für mRNA-Technologien lassen sich zudem nicht in wenigen Monaten neu aufbauen.