Hinweis: Das Beitragsbild wurde mit künstlicher Intelligenz erzeugt.

Artenvielfalt lässt sich bisher kaum wirtschaftlich belegen. Manuelle Kartierungen sind teuer, selten und decken nur Momentaufnahmen ab. Das Münchner Start-up Hula Earth, 2023 von Florian Geiser und David Schmider gegründet, setzt dem ein automatisiertes Messsystem entgegen: autonome, solarbetriebene Sensoren, die rund um die Uhr Tierstimmen erfassen, kombiniert mit Satellitendaten zu einem kontinuierlichen Biodiversitätsbild.

Wie das System funktioniert

Die sogenannten BioT-Sensoren arbeiten mit Edge-KI, also einer KI-Recheneinheit direkt im Gerät, ohne Cloud-Zwischenschritt. Sie erkennen nach Unternehmensangaben über 10.000 Tierarten anhand ihrer akustischen Signale: Vögel, Fledermäuse, Amphibien, Insekten. Die Daten werden automatisch übertragen und in einem Dashboard aufbereitet.

Ergänzt werden die Bodendaten durch Satellitendaten, die Vegetationsentwicklung und Flächenveränderungen abbilden. Das Unternehmen nennt den Ansatz eine „Space-to-Ground“-Plattform. Die Hardware entsteht in Kooperation mit Würth Elektronik. Hula Earth gibt an, Sensoren weltweit auf insgesamt über 50.000 Hektar Fläche im Einsatz zu haben.

Zielgruppe: Betreiber unter Regulierungsdruck

Primäre Kunden sind Solar- und Windparkbetreiber. Deren Interesse ist konkret: Wer einen Solarpark genehmigt bekommt, muss häufig externe Ausgleichsflächen pachten und pflegen. Diese Verpflichtung entfällt, wenn auf der Projektfläche selbst nachweislich bestimmte Arten zurückgekehrt sind, etwa die Feldlerche. Den Nachweis kann bisher kaum ein Betreiber wirtschaftlich führen. Hula Earth liefert die Datenbasis dafür.

Windparkbetreiber stehen vor einem anderen Problem: Abschaltzeiten für Vogelzug und Fledermausschutz basieren häufig auf pauschalen, konservativen Annahmen. Wer standortspezifische Daten vorlegt, kann gezieltere Abschaltprofile mit der Behörde vereinbaren. Kunden wie Enerparc und Engie Green werden vom Unternehmen als Referenzen genannt.

CSRD als weiterer Treiber

Neben Energieunternehmen adressiert Hula Earth Industriebetriebe, Kommunen sowie Lebensmittelhandel und Landwirtschaft. Hintergrund ist die europäische Nachhaltigkeitsberichtspflicht CSRD mit dem Unterstandard ESRS E4, der Biodiversität als Berichtsgegenstand definiert. Wer Flächen in der Lieferkette ökologisch bewerten muss, braucht belastbare Daten. Manuelle Erhebungen skalieren dabei nicht.

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Marktlücke zwischen Stichprobe und Satellitenbild

Der Markt für Biodiversitätsmessung ist fragmentiert. Klassische ökologische Gutachten sind methodisch anerkannt, aber punktuell und personalintensiv. eDNA-Analysen, bei denen Umwelt-DNA aus Bodenproben ausgewertet wird, liefern ebenfalls Momentaufnahmen. Reine Satellitenlösungen decken große Flächen ab, sagen aber wenig über die tatsächliche Artenstruktur vor Ort aus.

Hula Earth positioniert sich in der Lücke dazwischen: kontinuierliche, automatisierte Erhebung auf Artenebene, skalierbar über viele Standorte hinweg, mit Dashboard-Ausgabe für interne Berichte und Behördenkommunikation. Ob diese Positionierung regulatorisch flächendeckend anerkannt wird, hängt von der weiteren Praxis der Naturschutzbehörden ab.

Fazit

Für Betriebe, die Flächen betreiben, bewirtschaften oder in ihrer Lieferkette verantworten, wird Biodiversität vom weichen Nachhaltigkeitsthema zur Compliance-Frage. Hula Earth liefert ein technisches Werkzeug, das den Nachweis ökologischer Entwicklung automatisiert und skalierbar machen soll. Ob sich daraus wirtschaftliche Einsparungen bei Ausgleichsflächen oder Abschaltzeiten ergeben, bleibt von Behördenentscheidungen im Einzelfall abhängig. Die Datenbasis für diese Gespräche soll das System liefern.