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Der Biermarkt in Deutschland steckt in einer handfesten Strukturkrise. Der Absatz sank 2025 um sechs Prozent gegenüber dem Vorjahr. Bereits seit 2019 haben 137 Brauereien ihren Betrieb eingestellt. Allein 2026 zählt die Branche bisher vier Insolvenzen. Vor diesem Hintergrund öffnete Münchens Oberbürgermeister Dominik Krause das Oktoberfest 2026: 6,5 Millionen Besucher, 15,90 Euro pro Maß, sechs zugelassene Brauereien.

Rückgang auf breiter Front

Der Pro-Kopf-Verbrauch von Bier in Deutschland liegt 2025 unter 90 Liter. In den 1970er-Jahren waren es noch rund 150 Liter. Diese Entwicklung ist kein konjunkturelles Tief, sie ist strukturell. Gesellschaftliche Einstellungen zu Alkohol haben sich verändert. Jüngere Konsumenten greifen seltener zur Flasche.

Auch das Oktoberfest spiegelt diesen Trend. 2025 wurden auf der Wiesn 6,71 Millionen Liter Bier ausgeschenkt, 2024 waren es noch 6,96 Millionen Liter. Das Rekordjahr 2011 lag bei 7,92 Millionen Litern.

Im ersten Halbjahr 2026 sank der deutschlandweite Absatz alkoholhaltigen Biers gegenüber dem Vorjahreszeitraum um 2,2 Prozent auf rund 3,8 Milliarden Liter. Der WM-Monat Juni brachte zwar ein Plus von 5,2 Prozent, allerdings mit Rabatten von bis zu 44 Prozent. Fabian Huhle, Senior Partner bei Roland Berger, kommentiert das so: Preiserhöhungen, die Brauereien mühsam durchgesetzt haben, werden durch solche Aktionen teilweise wieder zunichtegemacht.

Kostendruck trifft auf schwache Nachfrage

Die betriebswirtschaftliche Lage vieler Brauereien ist angespannt. Dauerhaft sinkende Nachfrage trifft auf gestiegene Energie-, Rohstoff- und Personalkosten. Der Preisdruck im Lebensmitteleinzelhandel ist hoch. Bayerns Brauereien verzeichneten 2025 Einbußen, die nach Angaben des Bayerischen Brauerbundes schwerer wiegen als die Verluste während der Coronapandemie.

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Huhles Analyse für Roland Berger ist eindeutig: In einem Verdrängungsmarkt haben Brauereien nur dann gute Chancen, wenn sie konsequent Kostenführerschaft anstreben oder sich als Premiummarke profilieren. Viele mittelgroße Betriebe stecken dazwischen, ohne klare Positionierung.

Zuckersteuer als zusätzliche Belastung ab 2027

Ab 2027 droht eine weitere Belastung. Eine geplante Zuckersteuer soll auch auf alkoholfreies Bier, Biermischgetränke und Fassbrause erhoben werden. Für Brauereien, die in den vergangenen Jahren auf diese Segmente gesetzt haben, ist das problematisch. Alkoholfreies Bier macht im Handel inzwischen mehr als zehn Prozent des Absatzes aus, auf dem Oktoberfest liegt der Anteil bei rund fünf Prozent. Wer als Brauerei auf alkoholfreie Varianten oder Mischgetränke als Wachstumssegment gesetzt hat, muss diese Kalkulation überarbeiten.

Die sechs Wiesn-Brauereien: Oligopol mit hohem Marktwert

Auf dem Oktoberfest schenken ausschließlich sechs Brauereien aus: Augustiner, Hacker-Pschorr, Hofbräu, Löwenbräu, Paulaner und Spaten. Das Bier stammt faktisch aus nur vier Braugruppen, da mehrere Marken unter einem Konzerndach produziert werden. Die Zulassung ist auf diese sechs beschränkt, was dem Kreis eine erhebliche Marktschutzstellung verschafft.

Für 2027 wird offenbar über eine Erweiterung diskutiert. Giesinger Bräu, eine kleinere Münchner Brauerei, drängt auf Zugang. Die Entscheidung liegt bei der Stadt München. Historisch waren einmal bis zu 18 Brauereien auf dem Oktoberfest vertreten, 1825 zum Beispiel.

Der wirtschaftliche Stellenwert der Wiesn für die einzelnen Brauereien ist differenziert zu bewerten. Der Oktoberfest-Umsatz macht für die großen Häuser nur einen geringen Teil des Jahresumsatzes aus. Der strategische Wert liegt in der globalen Sichtbarkeit. Andreas Maisberger, Hauptgeschäftsführer des Vereins Münchner Brauereien, beschreibt die Wiesn als die weltweit sichtbarste Bühne für Münchner Bier.

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Was das für Einkauf und Produktion bedeutet

Für Unternehmen, die Brauereien als Lieferanten oder Kunden haben, sind die Signale klar: Die Konsolidierung setzt sich fort. Kleine und mittelgroße Brauereien mit schwacher Positionierung sind Übernahmekandidaten oder scheiden aus dem Markt aus. Wer in der Getränkelogistik, im Verpackungsbereich oder als Zulieferer von Rohstoffen wie Malz und Hopfen tätig ist, muss mit weiteren Volumenschwankungen und Preisverhandlungen rechnen.

Die Zuckersteuer ab 2027 wird Rezepturen, Produktportfolios und damit Beschaffungsbedarfe verändern. Wer als B2B-Lieferant eng mit Brauereien zusammenarbeitet, sollte diese Umstellungen in der mittelfristigen Planung berücksichtigen.

Fazit

Das Oktoberfest 2026 ist ein verlässliches Schaufenster für Münchner Biermarken. An der strukturellen Lage der deutschen Braubranche ändert es nichts. Sinkender Konsum, Kostendruck, drohende Steuerbelastungen und ein Verdrängungsmarkt zwingen zur Entscheidung: Kostenführer oder Premiummarke. Wer diese Entscheidung weiter aufschiebt, riskiert den Ausscheid. Für Zulieferer und Partner der Branche bedeutet das: Planungssicherheit mit einzelnen Brauereien nimmt ab, die Konzentration auf wenige große Anbieter nimmt zu.