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Die Bundesregierung will Arbeitnehmer ab dem ersten Krankheitstag zur Vorlage einer Arbeitsunfähigkeitsbescheinigung verpflichten. Bundeskanzler Friedrich Merz begründete die geplante Regelung mit stark gestiegenen Krankenständen seit der Corona-Pandemie. Eine neue Studie der Barmer Krankenkasse, erarbeitet gemeinsam mit der F.A.Z. Business Media GmbH, liefert dazu Daten aus der Praxis.
Was die Befragung zeigt
Für die Studie „Gesunde Arbeit“ wurden 550 Entscheidungsträger mittelständischer Unternehmen befragt. Das Ergebnis zu Kurzzeit-Krankmeldungen fällt nüchtern aus: 44 Prozent der Befragten melden, dass die Zahl dieser Ausfälle seit 2023 gleich geblieben ist. 33 Prozent verzeichneten einen Anstieg, rund 20 Prozent sogar einen Rückgang. Ein flächendeckendes Problem durch Kurzzeit-Ausfälle lässt sich aus diesen Zahlen nicht ableiten.
Die Meinungen sind gespalten. Fast die Hälfte der Befragten stimmte der Aussage zu, Arbeitnehmer schrieben sich „zu schnell bei Kleinigkeiten“ krank. 28 Prozent verneinten das, 23 Prozent blieben unentschieden.
Betriebliches Gesundheitsmanagement zeigt Wirkung
Die Studie fragt auch, was Unternehmen selbst tun. Bei fast einem Drittel der Befragten haben Gesundheitsmaßnahmen messbar zu geringeren Fehlzeiten geführt. Betriebliches Gesundheitsmanagement, kurz BGM, umfasst dabei mehr als Obstkorb und Rückenkurs: Gemeint sind systematische Maßnahmen zur Förderung der physischen und mentalen Gesundheit am Arbeitsplatz.
59 Prozent der Befragten sehen ein besseres Betriebsklima als Folge von BGM-Maßnahmen. 56 Prozent berichten von höherer Arbeitszufriedenheit. 40 Prozent geben an, als Arbeitgeber attraktiver geworden zu sein. 34 Prozent beobachten einen Anstieg der Produktivität.
Kosten und Nutzen
BGM ist nicht kostenlos. Unternehmen investieren in Personalzeit, externe Anbieter und Infrastruktur. Wie hoch dieser Aufwand ausfällt, hängt vom Umfang der Maßnahmen ab. Die Studie macht dazu keine konkreten Angaben.
Gesundheit als Unternehmensziel
Die Befragten ordnen Gesundheit als strategisch relevantes Thema ein. Mit 94 Prozent Zustimmung landet sie auf Platz drei der Erfolgsfaktoren, knapp hinter Produkt- und Dienstleistungsqualität mit 96 Prozent und Kundenzufriedenheit mit 97 Prozent. Mehr als ein Drittel der Teilnehmer gibt an, dass das Thema in den vergangenen Jahren für ihr Unternehmen an Gewicht gewonnen hat.
Auffällig ist eine Lücke in der Führungsebene. Weibliche Führungskräfte interessieren sich mit 73 Prozent stärker für BGM als ihre männlichen Kollegen mit 66 Prozent. Männer machen sich mit 35 Prozent häufiger persönliche Sorgen um die eigene Gesundheit als Frauen mit 23 Prozent. Führungskräfte priorisieren die eigene Gesundheit außerdem deutlich stärker als die ihrer Mitarbeitenden.
Was bedeutet das für die Praxis?
Die geplante Pflicht zur AU-Bescheinigung ab dem ersten Krankheitstag erhöht den Verwaltungsaufwand für Personalabteilungen, Arztpraxen und Krankenkassen. Ob sie Fehlzeiten senkt, ist aus den vorliegenden Daten nicht ableitbar. Die Barmer-Studie zeigt, dass Betriebe mit aktiven Gesundheitsmaßnahmen messbare Effekte erzielen.
Für Einkauf und Produktionsplanung bleibt das Kernproblem bestehen: Jeder Fehltag bedeutet Kapazitätsausfall. Prävention ist planbar, Krankenstand nicht.
Fazit
Die Barmer-Studie zeigt, dass Kurzzeit-Krankmeldungen in der Breite kein Ausreißerthema sind. Betriebliches Gesundheitsmanagement wirkt nach diesen Daten auf Fehlzeiten, Produktivität und Mitarbeiterbindung. Die politisch geplante Verschärfung der Krankmeldepflicht setzt an einem anderen Punkt an.




















