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Die Schwäche des deutschen Arbeitsmarkts hat eine neue Qualität erreicht. Im zweiten Quartal 2026 sank die Beschäftigung im Dienstleistungssektor gegenüber dem Vorjahreszeitraum um 0,1 Prozent. Das meldet das Statistische Bundesamt. Es ist der erste Rückgang in diesem Bereich seit der Corona-Krise.
Gesamtbeschäftigung fällt auf 45,7 Millionen
Insgesamt waren im zweiten Quartal 2026 rund 45,7 Millionen Menschen in Deutschland erwerbstätig. Saisonbereinigt entspricht das einem Minus von 0,1 Prozent gegenüber dem Vorquartal und 0,5 Prozent gegenüber dem Vorjahresquartal. Die Entwicklung zieht sich durch nahezu alle Wirtschaftsbereiche.
Besonders betroffen sind Handel, Verkehr und Gastgewerbe: Dort fiel die Erwerbstätigenzahl um 1,1 Prozent. Einziger Wachstumsbereich bleibt der öffentliche Dienst einschließlich Erziehung und Gesundheit mit einem Plus von 1,5 Prozent. Dieser Zuwachs gleicht die Verluste in anderen Segmenten nicht aus.
Industrie und Bau mit deutlich stärkeren Einbußen
Außerhalb des Dienstleistungssektors fallen die Rückgänge noch ausgeprägter aus. In der Industrie sank die Zahl der Erwerbstätigen um 2,0 Prozent. Am Bau waren es 0,7 Prozent, in der Land- und Forstwirtschaft 1,5 Prozent. Der Abwärtstrend in der Industrie hält damit unvermindert an.
Parallel dazu setzt sich das Firmensterben fort. Allein in der Industrie gaben im vergangenen Jahr rund 11.000 Betriebe auf. Das entspricht einem Anstieg von zehn Prozent gegenüber dem Vorjahr.
Fast 188.000 Unternehmensschließungen in einem Jahr
Insgesamt haben 187.744 Unternehmen in Deutschland im vergangenen Jahr ihre Geschäftstätigkeit beendet. Das ist der höchste Wert seit fast 20 Jahren. Im Vergleich zum Vorjahr stieg die Zahl um knapp zehn Prozent. Es war bereits der zweite Anstieg in Folge.
Dabei sind nur 13 Prozent dieser Schließungen auf Insolvenzverfahren zurückzuführen. Die überwiegende Mehrheit der Betriebe hat freiwillig aufgegeben. Das haben Creditreform und das Leibniz-Zentrum für Europäische Wirtschaftsforschung (ZEW) in Mannheim in ihrer gemeinsamen Analyse festgestellt.
Altersbedingter Rückzug ohne Nachfolger
Fast ein Drittel aller freiwilligen Schließungen erfolgt mittlerweile aus Altersgründen. ZEW-Forscherin Sandra Gottschalk weist darauf hin, dass das deutlich mehr ist als noch vor zehn oder 15 Jahren. Inhaber gehen in den Ruhestand und finden keinen Nachfolger. Das betrifft Handwerksbetriebe ebenso wie Arztpraxen oder Einzelhandelsgeschäfte.
Gastgewerbe und Gesundheitsversorgung unter Druck
Im Gastgewerbe schlossen im vergangenen Jahr rund 15.000 Gaststätten und Beherbergungsbetriebe. Das entspricht einem Anstieg von 15 Prozent gegenüber 2024. Seit dem 1. Januar 2026 gilt in der Gastronomie wieder ein ermäßigter Mehrwertsteuersatz von sieben Prozent auf Speisen. Ob das die Schließungswelle bremst, ist offen.
Im Gesundheitsbereich schlossen knapp 5.500 Arztpraxen, 23 Prozent mehr als im Vorjahr. Die Gesamtzahl der Schließungen im Gesundheitswesen liegt mit knapp 11.000 mittlerweile doppelt so hoch wie im Jahr 2008. Auch hier dominiert der demografische Faktor: Ärztinnen und Ärzte treten in den Ruhestand, ohne Nachfolger zu finden.
Strukturelle Ursachen überlagern Konjunktureffekte
Patrik-Ludwig Hantzsch von Creditreform spricht von einer Krisenzange, die die deutsche Wirtschaft von zwei Seiten belastet. Auf der einen Seite stehen externe Faktoren wie geopolitische Verwerfungen und US-Zölle. Auf der anderen Seite wirken hohe Energiepreise und Bürokratiekosten im Inland. Hantzsch stellt fest, dass nun auch eigentlich gesunde Firmen ihre Geschäftstätigkeit beenden.
Fazit
Für Unternehmensleitungen in Industrie und Mittelstand bedeuten diese Zahlen zweierlei. Erstens: Der Arbeitsmarkt gibt auf breiter Front nach. Fachkräfte, die durch Schließungen freigesetzt werden, stehen nicht automatisch als qualifizierte Bewerber zur Verfügung, da Branche und Qualifikation oft nicht passen. Zweitens: Die Welle der Betriebsschließungen im Gastgewerbe und bei Arztpraxen trifft auch die Versorgungsinfrastruktur an Unternehmensstandorten. Wer für die Fachkräftegewinnung auf attraktive Standortbedingungen angewiesen ist, spürt das mittelbar.




















