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Ein Unternehmen, das 2018 gegründet wurde, übernimmt den größten Einzelauftrag in der Geschichte der europäischen Raumfahrt. Aerospacelab aus Mont-Saint-Guibert in der Wallonie soll 264 Satelliten für das EU-Programm IRIS² entwickeln, bauen und vollständig integriert ausliefern. Den Auftrag bestätigte das Unternehmen am 10. September 2026. Auftraggeber ist der französische Satellitenbetreiber Eutelsat. Der Vertragswert beträgt 2,4 Mrd. Euro.

IRIS²: 348 Satelliten für Europas Kommunikationssouveränität

IRIS² steht für Infrastructure for Resilience, Interconnectivity and Security by Satellite. Das Programm soll Europa eine eigene Satelliteninfrastruktur verschaffen. Die geplante Konstellation umfasst 348 Satelliten: 330 im niedrigen Erdorbit (LEO, Low Earth Orbit) und 18 im mittleren Erdorbit (MEO, Medium Earth Orbit).

Die 264 Plattformen von Aerospacelab entsprechen 80 Prozent der LEO-Flotte. Damit trägt ein einziger Anbieter rund drei Viertel der gesamten IRIS²-Konstellation. Eutelsat verantwortet innerhalb des SpaceRISE-Konsortiums das LEO-Segment. Zu SpaceRISE gehören außerdem SES und Hispasat. Die 18 MEO-Satelliten baut nach bisherigen Angaben das deutsche Raumfahrtunternehmen OHB.

IRIS² richtet sich an staatliche und kommerzielle Nutzer. Behörden, Sicherheitskräfte und Betreiber kritischer Infrastruktur sollen ebenso Zugang erhalten wie Unternehmen. Für Regierungs- und Sicherheitsanwendungen sind besonders abgesicherte Kapazitäten vorgesehen. Der erste Start ist für 2029 geplant.

Technische Anforderungen: Mehr als Breitband

Die 264 LEO-Satelliten von Aerospacelab sollen im militärisch genutzten Ka-Band sowie im Ku-Band kommunizieren. Technisch gehen die Anforderungen über einfache Breitbandversorgung hinaus.

Beamforming und 5G-Integration

Vorgesehen sind elektronisch steuerbare Antennen mit Beamforming. Die Funkleistung lässt sich dabei gezielt dorthin lenken, wo hohe Kapazität benötigt wird. Eingebunden werden soll außerdem 5G NTN: 5G Non-Terrestrial Networks bezeichnet die Integration von Satelliten in Mobilfunknetze. Weltraum- und terrestrische Kommunikation werden dabei nicht mehr als vollständig getrennte Systeme behandelt.

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Optische Verbindungen zwischen Satelliten

Geplant sind optische Inter-Satellite-Links. Daten werden dabei von einem Raumfahrzeug zum nächsten weitergereicht, bevor sie eine Bodenstation erreichen. Das verringert die Abhängigkeit von Bodeninfrastruktur und soll die Ausfallsicherheit des Netzes erhöhen.

Serienproduktion statt Einzelfertigung: Fabrik in Charleroi

Bislang wurden Raumfahrzeuge weitgehend in Einzelfertigung über mehrere Jahre produziert. Für Konstellationen wie IRIS² werden Hunderte weitgehend baugleicher Satelliten in kurzer Zeit benötigt.

Aerospacelab baut dafür in Charleroi eine neue Produktionsstätte. Die angegebene Kapazität liegt bei bis zu 500 Satelliten pro Jahr. Traditionelle europäische Satellitenbauer produzierten bislang einstellige bis niedrige zweistellige Stückzahlen pro Jahr.

Für Zulieferer und Partnerunternehmen in der europäischen Raumfahrtkette bedeutet das veränderte Anforderungen. Gefragt sind standardisierte Komponenten in hohen Stückzahlen, kurze Lieferzyklen und reproduzierbare Qualität, wie sie aus der Automobilindustrie bekannt ist. Welche Zulieferer Aerospacelab für das IRIS²-Programm verpflichtet hat, ist bislang nicht öffentlich bekannt.

Produktionskapazität als Wettbewerbsfaktor

Der 2,4-Mrd.-Euro-Auftrag an Aerospacelab zeigt, dass Skalierbarkeit im Satellitenbau zum zentralen Wettbewerbsfaktor wird. Ein acht Jahre altes Unternehmen setzt sich gegen etablierte Akteure durch – nicht allein durch Technologie, sondern durch die Fähigkeit zur industriellen Massenproduktion. Welche Zulieferer und Marktteilnehmer davon profitieren, wird der weitere Verlauf des IRIS²-Programms zeigen.