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Bayer baut ein neues Pharmawerk in den USA. Der Leverkusener Konzern investiert 2,2 Milliarden US-Dollar in einen Produktionsstandort in New Albany im Bundesstaat Ohio. Rund 600 Arbeitsplätze sollen dort entstehen. Die Ankündigung folgt einer Welle ähnlicher Investitionszusagen anderer Pharmaunternehmen.
Wirkstoffproduktion ab 2031 geplant
Bayer-Pharma-COO Sebastian Guth hat konkretisiert, was in Ohio gefertigt wird. Der Standort soll Wirkstoffe und fertige Arzneimittel produzieren. Die Wirkstoffherstellung soll 2031 anlaufen, die Produktion fertiger Arzneimittel folgt voraussichtlich 2034. Bis zur ersten Lieferung aus Ohio vergehen damit noch mehrere Jahre.
Bayer begründet die Standortwahl mit dem Life-Science-Ökosystem in Ohio, dem verfügbaren Fachpersonal und der Standortpolitik des Bundesstaates. Ohio wird von Republikanern regiert und hat nach Konzernangaben aktiv Interesse an dem Projekt signalisiert.
Bayer bleibt im US-Pharmamarkt ein Nachzügler
Gemessen an den Investitionssummen anderer Konzerne fällt Bayers Ankündigung vergleichsweise moderat aus. Roche, Novartis, AstraZeneca und Eli Lilly haben zuletzt Beträge zwischen 20 und über 50 Milliarden Dollar für die USA angekündigt. Bayer ist in einem anderen Größenverhältnis: Der Konzern zählt im US-Pharmamarkt derzeit nicht zu den zwanzig größten Anbietern.
Bayer hat in den vergangenen Jahren gezielt zugekauft. Übernommen wurden unter anderem Bluerock, Vividion und Perfuse Therapeutics. Dennoch entfällt schätzungsweise nur ein Drittel des Konzernumsatzes auf die USA. CEO Bill Anderson hat das Ziel ausgegeben, den US-Pharmaumsatz bis Ende des Jahrzehnts zu verdoppeln.
In den vergangenen fünf Jahren hat Bayer eigenen Angaben zufolge bereits mehr als sieben Milliarden Dollar für pharmazeutische Forschung, Entwicklung und Produktion in den USA aufgewendet. Das neue Werk in Ohio kommt als nächster Schritt hinzu.
Politischer Kontext: Zölle als Treiber
Der Hintergrund der Investitionswelle ist handelspolitischer Natur. US-Präsident Donald Trump hat in Aussicht gestellt, auf Pharmaimporte aus dem Ausland Zölle zu erheben. Konzerne, die in den USA produzieren, könnten davon ausgenommen werden. Dieser Mechanismus hat die Ankündigungen beschleunigt. Bayer folgt dem Muster, wenn auch mit Verzögerung gegenüber den Wettbewerbern.
Agrarsparte unter Rechtsdruck
Während das Pharmageschäft in den USA ausgebaut werden soll, steht die Agrarsparte weiter unter Druck. Bayer hat Monsanto 2018 übernommen und ist seitdem mit Zehntausenden Klagen in den USA konfrontiert. Der Vorwurf: Das Herbizid Glyphosat verursache Krebs. Ein angestrebter Sammelvergleich über mehr als sieben Milliarden Dollar liegt bei einem US-Gericht. Eine Entscheidung steht aus.
Einordnung
Die Ohio-Investition zeigt: Bayer verschiebt Produktionskapazitäten in die USA, vorerst für Wirkstoffe, später für Fertigarzneimittel. Die konkreten Auswirkungen auf bestehende europäische Standorte hat Bayer bislang nicht kommuniziert. Der Aufbau des neuen Werks erstreckt sich über fast ein Jahrzehnt. Kurzfristige Veränderungen in der Lieferkette sind damit nicht zu erwarten.




















