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Die europäische Batterieindustrie produziert mehr als je zuvor, bleibt aber in globaler Abhängigkeit. Die Batterieproduktion in Deutschland erreichte 2025 einen Rekordwert, meldet der ZVEI. Gleichzeitig stammen 99 Prozent aller weltweit gefertigten Batterien von außereuropäischen Unternehmen. Diese Lücke zwischen Wachstum und Marktmacht ist das zentrale Problem der Branche.

Wachsender Markt, schwache Position

Die Nachfrage nach Lithium-Ionen-Batterien treibt den deutschen Markt an. Elektromobilität und stationäre Energiespeicher sind die wichtigsten Wachstumstreiber. Der ZVEI verzeichnet dabei eine Verschiebung im Handelsgeschehen: In Deutschland übersteigen die Batterieimporte aus Europa mittlerweile jene aus Asien. Das klingt nach Fortschritt, täuscht jedoch über die Kräfteverhältnisse hinweg. Die dominierenden Hersteller sitzen weiterhin in China, Südkorea und Japan.

Gunther Kellermann, Geschäftsführer des Fachverbands Batterien beim ZVEI, hat diese Lage beim Battery Manufacturing Day am 15. September 2026 in einer Keynote analysiert. Er legte Marktdaten aus dem Jahr 2025 vor und zeigte, wo in der Wertschöpfungskette Europa verletzbar ist: bei der Zellchemie, der Modulfertigung und der Systemintegration.

Wertschöpfungskette: Die kritischen Punkte

Die Schwäche Europas beginnt bei den Rohstoffen und setzt sich in der Zellproduktion fort. Batteriezellen sind das Herzstück jeder Anwendung, von der Elektrofahrzeugbatterie bis zum industriellen Speichersystem. Wer die Zellfertigung nicht beherrscht, bleibt vom Zulieferer abhängig. Kellermann beschreibt das als strukturelles Risiko für Versorgungssicherheit und Preisgestaltung.

Ein Beispiel für den Aufbau europäischer Kapazitäten ist das Kieler Start-up Univercell. Das 2019 von Stefan Permien und Marius Strack gegründete Unternehmen beschäftigt mittlerweile 83 Mitarbeiter und hat Investitionen für den Aufbau einer Batterieproduktion in Europa eingeworben. Gemessen an den Kapazitäten asiatischer Hersteller sind solche Initiativen allerdings noch klein.

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Politische Rahmenbedingungen als Hebel

Kellermann fordert konkrete industriepolitische Maßnahmen: Förderprogramme für Zellproduktion, verlässliche Rahmenbedingungen für Investitionen und eine abgestimmte europäische Handelspolitik. Staatssekretär Rolf-Dieter Jungk aus dem Bundesministerium für Forschung, Technologie und Raumfahrt hat auf dem VDA Summit 2026 die strategische Bedeutung der Batterietechnologie für den Wirtschaftsstandort Deutschland betont. Europa plane den Aufbau eines koordinierten Batterie-Produktionsnetzwerks bis 2034.

Verbindliche Zeitpläne fehlen bislang in Teilen. Die Ankündigungen auf politischer Ebene sind zahlreich, die Umsetzung bleibt hinter dem Tempo der asiatischen Konkurrenz zurück.

Was das für Betriebe bedeutet

Für Unternehmen, die Batterien in ihrer Produktion einsetzen oder als Zulieferer in die Batteriefertigung liefern, bleibt die Importabhängigkeit ein kalkulierbares Risiko. Wer Batteriezellen oder Module bezieht, tut das weiterhin überwiegend aus Asien oder über europäische Zwischenhändler. Lieferkettenunterbrechungen, Wechselkursrisiken und geopolitische Spannungen bleiben damit relevante Planungsgrößen.

Für Maschinenbauer und Anlagenhersteller eröffnet der Aufbau europäischer Fertigungskapazitäten Geschäftspotenzial. Batteriefabriken brauchen Produktionsanlagen, Qualitätssicherungssysteme und Automatisierungstechnik, für die deutsches und europäisches Know-how gefragt ist.

Fazit

Die Batterieproduktion in Deutschland wächst, die strukturelle Abhängigkeit bleibt. Der Rekord aus dem Jahr 2025 ist ein Signal, kein Wendepunkt. Solange 99 Prozent der globalen Kapazität außerhalb Europas liegen, bleibt die Versorgungssicherheit ein offenes Thema. Die Industrie wartet auf verlässliche politische Rahmenbedingungen. Bis ein europäisches Produktionsnetzwerk steht, müssen Einkaufs- und Produktionsverantwortliche ihre Lieferketten entsprechend absichern.