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Der Ludwigshafener Chemiekonzern BASF hat den Essener Spezialchemiekonzern Evonik auf eine mögliche Komplettübernahme angesprochen. Evonik bestätigte dies am 25. September 2026 in einer Mitteilung. Konkrete Verhandlungen laufen nach Unternehmensangaben derzeit nicht. Die Evonik-Aktie stieg in der Spitze um elf Prozent auf 20 Euro. Die BASF-Aktie gab gleichzeitig rund drei Prozent nach.
Was bisher bekannt ist
Evonik erklärte, BASF habe sich unverbindlich gemeldet. Auch die RAG-Stiftung, die rund 43 Prozent der Evonik-Anteile hält, bestätigte die Kontaktaufnahme. Ihr käme bei einem etwaigen Übernahmeversuch eine Schlüsselrolle zu. Einen weitergehenden Kommentar lehnten beide Unternehmen ab.
BASF führt laut Medienberichten seit Anfang des Jahres Gespräche mit Banken über eine mögliche Transaktion. Der Marktwert von BASF liegt bei rund 47 Milliarden Euro. Evonik kommt auf eine Marktkapitalisierung von mehr als 8 Milliarden Euro. Zusammen erzielten beide Konzerne im vergangenen Geschäftsjahr einen Gesamtumsatz von 74 Milliarden Euro.
Strategische Logik des Deals
BASF-Chef Markus Kamieth verfolgt das Ziel, die europäische Chemieindustrie zu konsolidieren. Diese ist im Vergleich zu chinesischen Wettbewerbern wie Sinopec und amerikanischen Konzernen wie Dow stark zersplittert. Ein fusionierter Konzern könnte bei Beschaffung, Produktion und Vertrieb deutliche Skaleneffekte heben.
Evonik ist mit rund 31.000 Mitarbeitern in mehr als 100 Ländern präsent. Das Portfolio umfasst Spezialadditive für Farben und Schaumstoffe, Polymere für die Automobil- und Luftfahrtindustrie sowie Aminosäuren für die Tierernährung. Diese Spezialchemieprodukte ergänzen das breiter aufgestellte BASF-Portfolio.
Evonik mitten im Umbau
Der Zeitpunkt der Annäherung ist bemerkenswert. Evonik befindet sich in einer tiefgreifenden Restrukturierung. Das Unternehmen hatte bereits angekündigt, bis Ende 2029 rund 3.200 Stellen zu streichen, davon 2.150 in Deutschland. Die Töchter Oxeno und Syneqt mit zusammen rund 4.300 Beschäftigten sollen veräußert werden. Inklusive bereits laufender Sparprogramme könnte die Gesamtbelegschaft um bis zu 10.000 Personen schrumpfen.
Interimschef Claus Rettig führt den Konzern seit dem Rücktritt von Christian Kullmann im August. Kullmann hatte das Unternehmen aus gesundheitlichen Gründen verlassen. Rettig will Evonik auf profitable Kerngeschäfte konzentrieren. Evonik profitiert derzeit von Lieferengpässen asiatischer Wettbewerber, sprach intern von einer Sonderkonjunktur und hob seine Jahresprognose an.
Branchenumfeld belastet beide Konzerne
Die europäische Chemieindustrie steht unter erheblichem Druck. Hohe Energiekosten und Preiskonkurrenz aus Asien belasten die Margen. BASF hatte zuletzt seinen milliardenschweren Verbundstandort im chinesischen Zhanjiang ausgebaut, um näher an Wachstumsmärkten zu produzieren. Auch Evonik erschließt Wachstumschancen in Asien und Amerika, schließt aber gleichzeitig kleinere Werke in Europa.
Was der Deal für Zulieferer und Kunden bedeutet
Für Unternehmen, die Rohstoffe oder Spezialchemikalien von Evonik oder BASF beziehen, hätte ein Zusammenschluss konkrete Folgen. Ein fusionierter Konzern hätte eine stärkere Verhandlungsposition gegenüber Rohstofflieferanten. Die Marktmacht im Spezialchemiesegment könnte steigen, was Einkäufer bei Preisverhandlungen unter Druck brächte. Auf der Angebotsseite könnten Produktlinien konsolidiert oder eingestellt werden.
Für Industriebetriebe, die auf Evonik-Produkte wie Aminosäuren oder Polymeradditive angewiesen sind, empfiehlt sich eine frühzeitige Prüfung von Lieferantenabhängigkeiten und alternativen Bezugsquellen. Eine Übernahme dieser Größenordnung dauert erfahrungsgemäß Jahre, bis sie kartellrechtlich abgeschlossen ist.
Fazit
BASF und Evonik haben eine mögliche Fusion bestätigt, ohne konkrete Verhandlungen einzuräumen. Ein Zusammenschluss könnte die Kräfteverhältnisse in der europäischen Chemieindustrie grundlegend verschieben. Lieferkettenrisiken lassen sich nur mit frühzeitiger Analyse begrenzen.




















