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BASF hat Evonik ein formelles Übernahmeangebot unterbreitet: 22,15 Euro je Aktie. Die Evonik-Führung hat das Angebot abgelehnt. Dennoch ist klar, dass BASF-Chef Markus Kamieth die Pläne nicht aufgibt. Evonik ist an der Börse mit rund acht Milliarden Euro bewertet. Ein Zusammenschluss würde den größten Chemiekonzern Deutschlands entstehen lassen.

Industrielle Logik und politische Realität

Beide Konzerne bedienen dieselben Schlüsselindustrien: Automobilbau, Bauwirtschaft, Konsumgüter, Pharma und Landwirtschaft. Die Produktportfolios überschneiden sich erheblich. In Segmenten wie Tensiden, Emulgatoren, Weichmachern, UV-Filtern, Futtermittelzusätzen, Lacken und Hochleistungskunststoffen konkurrieren BASF und Evonik direkt miteinander.

Aus Beratungskreisen werden mögliche Synergien von rund 300 Millionen Euro pro Jahr genannt. Das sind Einsparungen, die über bereits laufende Restrukturierungsprogramme beider Häuser hinausgehen. Wo genau gespart wird, hängt davon ab, welche Anlagen wirtschaftlicher arbeiten. Den größten Teil dieser Synergien würden die Unternehmen in Deutschland heben.

Doch die Transaktion ist weit mehr als eine Industriefrage. Größter Einzelaktionär von Evonik ist die RAG-Stiftung mit rund 43 Prozent der Anteile. Die Stiftung finanziert die Langzeitfolgekosten des deutschen Steinkohlebergbaus. Im Kuratorium sitzen Bundes- und Landespolitiker, darunter NRW-Ministerpräsident Hendrik Wüst. Auch die Gewerkschaft IGBCE hat ein gewichtiges Wort mitzureden.

Gewerkschaft warnt vor Überdrehen der Sparschraube

IGBCE-Chef Michael Vassiliadis hat sich skeptisch geäußert. Größe allein schaffe noch keine Perspektive, erklärte er sinngemäß. Beschäftigte und Standorte bräuchten Zukunftssicherheit und Investitionszusagen. Beide Konzerne bauen ohnehin bereits Stellen ab. Vassiliadis warnte davor, diese Entwicklung durch eine Fusion weiter zu verschärfen.

Zusammen beschäftigen BASF und Evonik in Deutschland knapp 70.000 Menschen. Bei Evonik sind es rund 20.000, bei BASF knapp unter 50.000. Bei einer Fusion träfe der Stellenabbau typischerweise das übernommene, kleinere Unternehmen stärker. Berater schätzen, dass bei Evonik bis zu 3.000 Arbeitsplätze in Deutschland zusätzlich wegfallen könnten.

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Marl und Essen besonders gefährdet

Besonders exponiert sind zwei Standorte in Nordrhein-Westfalen. In Marl im nördlichen Ruhrgebiet produziert Evonik Hochleistungskunststoffe und eine Reihe von Zusatzstoffen. BASF fertigt ähnliche Produkte am Stammwerk in Ludwigshafen. Produktionsüberschneidungen wären dort kaum zu vermeiden.

In Essen ist neben der Konzernzentrale auch ein Produktionswerk an der Goldschmidtstraße betroffen. Dort stellt Evonik Spezialchemikalien für Konsumgüter her, ein Segment, das ebenfalls BASF besetzt. Insider sprechen von großem Rechtfertigungsdruck für diesen Standort im Falle einer Übernahme.

Weitere Standorte, die im Abgleich mit BASF-Einheiten geprüft werden müssten, sind Dossenheim für Pharma-Hilfsstoffe, Hanau für Katalysatoren sowie Wesseling und Rheinfelden.

Produkte, die sich ergänzen

Nicht überall konkurrieren die beiden Konzerne direkt. In einigen Segmenten sind ihre Produkte komplementär. Ein Beispiel sind Weichschäume auf Polyurethanbasis, wie sie in Autositzen, Matratzen oder Dämmstoffen eingesetzt werden. BASF liefert die Basiskomponenten, Evonik die Zusatzstoffe, die für gleichmäßige Struktur und Stabilität sorgen.

Ähnlich verhält es sich bei wässrigen Lacksystemen. Evoniks Technologie verhindert Blasenbildung beim Auftragen; BASF liefert dazu notwendige Hilfsstoffe. Solche Verflechtungen machen eine saubere Trennung der Portfolios schwierig und würden Entscheidungen über Standorte komplizieren.

Fazit

Das Übernahmeangebot liegt auf dem Tisch, Evonik hat es abgelehnt. Damit ist der Vorgang nicht abgeschlossen. Die RAG-Stiftung, Politiker und die IGBCE werden mitentscheiden, ob und zu welchen Bedingungen ein Deal zustande kommt. Für Unternehmen, die Evonik oder BASF als Lieferant nutzen, bedeutet das: Versorgungsstrukturen könnten sich mittelfristig verschieben. Einkäufer in betroffenen Segmenten wie Tensiden, Hochleistungskunststoffen oder Futtermittelzusätzen sollten die Entwicklung verfolgen.