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Der Deutsche Bankangestellten-Verband (DBV) bringt in der laufenden Tarifrunde 2026 eine neue Kategorie in die Verhandlungen: sogenannte KI-Entlastungstage. Die Gewerkschaft fordert zusätzliche freie Tage für Beschäftigte im privaten Bankgewerbe, die in KI-gestützten Arbeitsumfeldern tätig sind. Begründung: Künstliche Intelligenz übernehme zwar Routineaufgaben, hinterlasse aber ein verdichtetes Aufgabenspektrum aus komplexen Entscheidungen und Qualitätskontrollen.

Was der DBV konkret verlangt

DBV-Verhandlungsführer Wolfgang Ermann formuliert die Kernthese klar: Automatisierung bedeute nicht automatisch weniger Belastung. KI-Systeme übernehmen kleinteilige kognitive Aufgaben. Was bleibt, sind anspruchsvollere Tätigkeiten, die mehr Konzentration erfordern. Die Entlastungstage sollen diesen Produktivitätsgewinn für die Beschäftigten ausgleichen. Der DBV nennt das einen Wertschöpfungsausgleich.

Die Forderung ist Teil eines breiteren Pakets. Der Verband verlangt daneben höhere Gehälter, mehr Spielraum bei Urlaubstagen sowie verbesserte Altersteilzeitregelungen. Der DBV hatte bereits in der Vergangenheit Gehaltserhöhungen von über 13 Prozent für Beschäftigte in Volks- und Raiffeisenbanken gefordert. Der Arbeitskampf um faire Beteiligung an Produktivitätsgewinnen ist damit kein neues Thema für den Verband.

Gesundheitliche Risiken: Was Arbeitspsychologen sagen

Die Einschätzung des DBV hat eine wissenschaftliche Grundlage. Marlen Cosmar, Psychologin bei der DGUV Akademie und Leiterin des Referats Arbeitswelten, Mobilität und Gesundheit, beschreibt zwei gegenläufige Effekte. KI erhöhe die Arbeitsintensität und könne zu Dauerstress führen. Gleichzeitig entstehe durch die Übernahme monotoner Aufgaben durch Maschinen ein neues Problem: Überwachungstätigkeiten führen zu Vigilanzabfall, also nachlassender Aufmerksamkeit, mit potenziellen Sicherheitsrisiken.

Eva Elisa Schneider, Psychologin und Expertin für mentale Gesundheit am Arbeitsplatz, ergänzt: Der Arbeitstag verdichte sich, wenn entlastende Aufgaben wegfallen. Viele Entscheidungen und Qualitätsprüfungen in kurzer Folge führten zu Erschöpfung am Abend. Nora Dietrich, Gründerin und Co-CEO der Unternehmensberatung Between People, bringt es auf den Punkt: KI ist beides, Entlastung und Belastungsfaktor. Der Unterschied liege im konkreten Einsatz.

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AGV Banken hält dagegen: Umfrage zeigt anderes Bild

Der Arbeitgeberverband des privaten Bankgewerbes, AGV Banken, lehnt die DBV-Forderung ab. Er beruft sich dabei auf eine eigene Erhebung des Marktforschungsunternehmens Kantar unter 942 Beschäftigten im privaten Bankengewerbe. Das Ergebnis: 52 Prozent der Befragten gaben an, Veränderungen durch technologische Fortschritte wie KI belasteten sie gar nicht. Digitalisierung landete damit auf dem letzten Platz unter zwölf gemessenen Belastungsfaktoren.

Die Erhebung zeigt außerdem, dass Beschäftigte, die KI häufig nutzen, in nahezu allen gemessenen Dimensionen höhere Zufriedenheitswerte aufweisen als Kollegen ohne KI-Einsatz. Auch die selbst wahrgenommene psychische Verfassung fällt bei KI-Nutzenden besser aus. AGV-Hauptgeschäftsführer Carsten Rogge-Strang stützt sich auf diese Daten: Die große Mehrheit der Beschäftigten empfinde den KI-Einsatz als bereichernd und unterstützend.

Was das für Betriebe bedeutet

Die Tarifrunde im privaten Bankgewerbe gilt Unternehmen außerhalb der Branche als Frühindikator. Das Modell der KI-Entlastungstage könnte Schule machen. Gewerkschaften in anderen Sektoren verfolgen solche Verhandlungen aufmerksam. Produktion, Logistik und Verwaltung setzen KI-Systeme aus ähnlichen Motiven ein: Routineentlastung, Produktivitätssteigerung, Fehlervermeidung.

Entscheider sollten prüfen, welche Aufgaben in ihren Betrieben tatsächlich wegfallen und welche neu entstehen. Die Frage, ob der verbleibende Aufgabenmix Beschäftigte stärker belastet als zuvor, ist nicht nur eine Tarifangelegenheit. Sie betrifft Arbeitssicherheit, Fehlerquoten und Mitarbeiterbindung. Ein pauschales Nein zur Diskussion erscheint angesichts der vorhandenen Studienlage risikobehaftet. Ein pauschales Ja zu zusätzlichen Freitagsansprüchen ebenfalls.

Fazit

Die Datenlage ist widersprüchlich: Arbeitspsychologinnen sehen reale Belastungsrisiken, eine Arbeitgeberumfrage zeigt mehrheitlich positive Wahrnehmung. Einig sind sich beide Seiten nur darin, dass KI die Struktur von Arbeit verändert. Worüber sie streiten, ist die Frage, wer davon wie profitiert.

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