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Auf dem Hallendach im niederbayerischen Dingolfing steht seit Kurzem Bayerns größte Photovoltaik-Dachanlage. Der Projektentwickler Sunrock hat dort eine Anlage mit 10,9 Megawatt Peak installiert, verteilt auf rund 100.000 Quadratmeter Dachfläche. Der Jahresertrag liegt bei mehr als zehn Gigawattstunden. Der erzeugte Strom fließt direkt ins Werksnetz von BMW, dem größten europäischen Produktionsstandort des Konzerns.
Dach vermieten, Strom abnehmen
Das Geschäftsmodell ist klar strukturiert. BMW stellt die Dachfläche zur Verfügung. Sunrock finanziert, baut und betreibt die Anlage. Den Strom liefert der Entwickler über einen Direktliefervertrag an den Standort. Für BMW bedeutet das: keine Investition, keine Betriebsverantwortung, aber planbare Stromkosten für einen definierten Anteil des Bedarfs.
Ein zweites Projekt am BMW-Standort Regensburg ergänzt die Kapazität um weitere 2,9 Megawatt Peak. Zusammen kommen beide Anlagen auf 14 Megawatt Peak und rund 125.000 Quadratmeter Erzeugungsfläche. Sunrock bezeichnet die Dingolfinger Anlage als viertgrößte PV-Dachanlage Deutschlands.
Hybridparks statt Einzellösungen
Nicht alle Hersteller setzen auf das Dachflächenmodell allein. Stellantis kombiniert im spanischen Saragossa Solar- und Windenergie in einem Hybridpark. Ziel ist es, rund 80 Prozent des lokalen Strombedarfs aus diesen beiden Quellen zu decken. Das reduziert die Abhängigkeit vom Spotmarkt erheblich.
Der Anteil der Industrie am deutschen Stromverbrauch liegt laut dem Bundesverband der Energie- und Wasserwirtschaft bei 41 Prozent. Für Automobilwerke mit energieintensiver Fertigung, etwa Lackierstraßen, Pressen oder Montagelinien, ist der Strombezug ein wesentlicher Kostenfaktor. Schwankende Börsenpreise belasten die Kalkulation. Eigene Erzeugungsanlagen oder langfristige Direktlieferverträge, sogenannte Power Purchase Agreements (PPAs), schaffen Planungssicherheit über mehrere Jahre.
Direktlieferverträge als Steuerungsinstrument
Daimler Truck bezieht Grünstrom von Statkraft, dem größten europäischen Erzeuger erneuerbarer Energie. Alle deutschen Standorte des Nutzfahrzeugherstellers werden bedarfsgerecht und in Echtzeit versorgt. Das Modell setzt auf eine kontinuierliche Deckung des tatsächlichen Verbrauchs, nicht auf pauschale Zertifikatslösungen.
Volkswagen hat einen anderen Ansatz gewählt. Der Konzern hat Grünstrom-Projekte in Europa gefördert, die seit 2021 kumuliert rund drei Terawattstunden ins europäische Netz eingespeist haben. Das entspricht dem jährlichen Strombedarf von etwa 800.000 Haushalten. Diese Projekte sollen auch die Scope-3-Emissionen der Lieferkette senken. Scope 3 bezeichnet indirekte Treibhausgasemissionen, die entlang der gesamten Wertschöpfungskette entstehen, also nicht im eigenen Werk, sondern bei Lieferanten oder in der Nutzungsphase der Fahrzeuge.
Batteriespeicher als Puffer
Photovoltaik und Wind liefern nicht kontinuierlich. Batteriespeicher gleichen Erzeugungsspitzen und Verbrauchstäler aus. Sie erlauben es, Strom dann zu nutzen, wenn die Anlage ihn erzeugt, nicht nur dann, wenn das Netz ihn liefert. In Kombination mit einer intelligenten Laststeuerung lässt sich der Eigenverbrauchsanteil erhöhen und die Netzentnahme senken.
Für Zulieferer und mittelständische Fertigungsbetriebe mit kleineren Dachflächen oder weniger Kapital ist der Direkteinstieg in eigene Anlagen schwieriger. Das Angebot an Pachtmodellen und PPAs wächst aber auch unterhalb der Großhersteller-Ebene. Energiedienstleister bieten gebündelte Lösungen an, bei denen der Betrieb die Anlage nicht selbst finanziert.
Fazit
Die Umrüstung der Energieversorgung in der Automobilindustrie folgt einem betriebswirtschaftlichen Kalkül: Wer eigenen Strom erzeugt oder langfristige Lieferverträge abschließt, entkoppelt sich teilweise vom volatilen Spotmarkt. Das ist Kostenmanagement. Für Produktionsleiter und Einkäufer sind Dachflächen, Freigelände und Strombeschaffungsverträge damit zu strategischen Parametern geworden. Wer sie nicht bewertet, verschenkt Spielraum bei den Energiekosten.




















