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Der deutsche Arbeitsmarkt sendet im August 2026 widersprüchliche Signale. Das ifo-Beschäftigungsbarometer stieg auf 94,8 Punkte, nach 93,0 im Juli. Das ist der höchste Wert seit Mai 2025. Doch der Wert liegt weiterhin unter der Schwelle von 100. In Summe werden noch Stellen abgebaut, nicht aufgebaut. Wer als Personalverantwortlicher plant, muss genau hinschauen, welche Branchen sich erholen und welche weiter schrumpfen.

Stellenindex zeigt Seitwärtsbewegung

Der BA-X, der Stellenindex der Bundesagentur für Arbeit, signalisiert für August eine schwache Gesamtnachfrage nach Arbeitskräften. Die Bundesagentur spricht von einer Seitwärtsbewegung. In immer mehr Branchen zeigt sich jedoch ein leichtes Stellenplus gegenüber dem Vorjahr. Betroffen sind der öffentliche Bereich, der Finanzsektor, die Energie- und Wasserwirtschaft sowie das verarbeitende Gewerbe. Weniger Stellen als vor einem Jahr melden dagegen Gastronomie und der Bereich Information und Kommunikation.

Rüstung und Energie legen zu

Die Rüstungsindustrie verzeichnet ein deutliches Plus bei Stellenangeboten. Rheinmetall mit Sitz in Düsseldorf gehört zu den aktiv suchenden Unternehmen. Weitere Anbieter, viele davon in Baden-Württemberg und Bayern ansässig, haben Stellen- und Ausbildungsangebote ausgeschrieben. Die Renk Group aus Augsburg sucht vor allem berufserfahrene Fachkräfte.

Einschränkung: Die Rüstungsindustrie ist gemessen an der Autoindustrie ein kleiner Sektor. Bernd Fitzenberger, Direktor des Instituts für Arbeitsmarkt- und Berufsforschung, macht das deutlich. Nicht alle Beschäftigten, die in der Automobilindustrie ihren Arbeitsplatz verlieren, werden dort Aufnahme finden. Auch Siemens Energy sucht Servicetechniker für Windkraftanlagen und Ingenieure. MAN hat Ausschreibungen für Mechatroniker, Elektriker und Servicetechniker laufen.

Handwerk und Bau: Bedarf bleibt hoch

Im Handwerk ist der Fachkräftebedarf strukturell hoch. Das gilt für Heizungsbauer, Elektriker und Baufachkräfte. Laut IAB-Direktor Fitzenberger hat das Handwerk enormes Beschäftigungspotenzial. Kleinstbetriebe tun sich aber schwer, Stellen zu besetzen. Bei jungen Menschen gilt das Handwerk oft nicht als erste Wahl. Die Branche konkurriert mit Industrieunternehmen um dieselben Bewerbergruppen.

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Am Bau werden ebenfalls Fach- und Arbeitskräfte gesucht. Manche Betriebe wollen selbst ausbilden, stoßen dabei aber auf dieselben Schwierigkeiten wie das Handwerk.

Gesundheit, Pflege und Erziehung unter Dauerdruck

Pflege, Gesundheit und Erziehung sind die Branchen mit dem höchsten ungedeckten Bedarf. Daran hat sich gegenüber den Vorjahren nichts geändert. Viele Stellen bleiben unbesetzt. Das betrifft Krankenhäuser, Pflegeeinrichtungen und Kindertageseinrichtungen gleichermaßen.

Demografie verschärft die Lage in Betrieben

Ein Faktor trifft alle Branchen: der Renteneintritt der Babyboomer-Jahrgänge, also der geburtenstarken Jahrgänge von 1954 bis 1969. Laut einer Studie des Instituts der deutschen Wirtschaft erreichen bis 2036 im Schnitt rund 1,3 Millionen dieser Jahrgänge jährlich das Rentenalter. Das betrifft auch Industriebetriebe im ländlichen Raum direkt.

Jens Geiger, Geschäftsführer des Schotter- und Steinwerks Weißenburg in Mittelfranken, nennt das konkrete Problem: Fachkräfte mit jahrzehntelanger Betriebserfahrung scheiden in den nächsten Jahren aus. Ersatz lässt sich nicht kurzfristig aufbauen. Dieses Muster gilt für viele mittelständische Produktionsbetriebe.

Automobilindustrie und deren Zulieferer bauen ab

Die Automobilindustrie und ihre Zulieferer stehen auf der anderen Seite der Bilanz. Dort fallen Stellen weg. Der Strukturwandel hin zur Elektromobilität und der Rückgang der Produktionsvolumina treffen Standorte in ganz Deutschland. Betriebe, die für OEMs, also Fahrzeughersteller, produzieren, spüren das direkt über sinkende Abrufmengen und ausbleibende Neuaufträge.

Fazit

Für Personalverantwortliche in Industrie und Mittelstand ergibt sich ein differenziertes Bild. Der Gesamtmarkt bewegt sich seitwärts mit leicht positivem Trend. Wer in Energie, Rüstung, Handwerk oder Pflege tätig ist, konkurriert weiter aktiv um knappe Fachkräfte. Wer in der Automobilzulieferung sitzt, steht vor einem anderen Problem: Freisetzung und Umstrukturierung. Die demografische Kurve verschärft beide Seiten. Betriebe, die Nachfolgeplanung für erfahrene Fachkräfte noch nicht angegangen haben, verlieren Zeit, die sich nicht zurückgewinnen lässt.

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