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Neptune Energy hat die erste Pilotphase seines Lithium-Projekts in der Altmark abgeschlossen. Das Unternehmen hat sich für das Adsorptionsverfahren entschieden, das gemeinsam mit der Fraunhofer-Einrichtung für Energieinfrastruktur und Geotechnologien weiterentwickelt werden soll. Ziel ist die Lithiumgewinnung im industriellen Maßstab direkt in Deutschland.
Was in der Altmark unter der Erde liegt
Das Lithium liegt in Tiefen zwischen 3.000 und 4.000 Metern, gelöst im Thermalwasser, das sich in feinen Poren des Gesteins verteilt. Über Bohrungen wird dieses Wasser an die Oberfläche gefördert. Das Adsorptionsverfahren trennt dann das Lithium vom Wasser. Neptune Energy bewertet diesen Prozessweg als wirtschaftlich tragfähig.
Die Altmark gilt als eine der weltweit größten projektbezogenen Lithium-Ressourcen. Das Fördergebiet liegt in Sachsen-Anhalt, angrenzend an die Lüneburger Heide in Niedersachsen.
Produktionsziel: Batterien für 500.000 Elektrofahrzeuge
Neptune Energy plant, die Produktion ab 2030 schrittweise hochzufahren. Ziel ist es, genug Lithium zu fördern, um den Bedarf für Batterien von rund 500.000 Elektrofahrzeugen pro Jahr zu decken. Für Batteriehersteller und Automobilzulieferer wäre das eine heimische Bezugsquelle. Deutschland importiert Lithium derzeit überwiegend aus China.
Partnerschaft mit Fraunhofer IEG
Die Fraunhofer-Einrichtung für Energieinfrastruktur und Geotechnologien, kurz IEG, übernimmt die wissenschaftliche Weiterentwicklung des Adsorptionsverfahrens. Das Institut hat Erfahrung mit tiefer Geothermie und hydrothermaler Rohstoffgewinnung. Die Kooperation soll die technische Reife des Verfahrens für den Industriebetrieb sicherstellen.
Widerstand aus der Region und Altlasten-Kritik
Das Projekt ist nicht unumstritten. Seit Bekanntgabe der Pläne im April 2024 haben über 22.000 Personen eine Online-Petition gegen den Lithium-Abbau in der Altmark und der Lüneburger Heide unterzeichnet. Kritiker befürchten Eingriffe in das Grundwasser und Schäden an der Landschaft.
Neptune Energy steht wegen einer Altlastenproblematik in der Region unter Druck. In der Deponie Brüchau lagern seit Jahrzehnten quecksilberbelastete Abfälle. Der Umgang des Unternehmens damit ist Gegenstand öffentlicher Kritik, was die Kommunikation rund um das Lithium-Vorhaben belastet.
Deutschland hat mehrere potenzielle Förderstandorte
Die Altmark ist nicht der einzige Standort mit Lithium-Potenzial in Deutschland. Das Bundeswirtschaftsministerium nennt das Erzgebirge und den Oberrheingraben als weitere Regionen mit wirtschaftlich nutzbaren Vorkommen. Auch dort laufen Projekte zur Gewinnung. Der Oberrheingraben ist unter anderem Arbeitsgebiet des Unternehmens Vulcan Energy, das auf eine kombinierte Geothermie- und Lithiumgewinnung setzt.
Für Einkaufsverantwortliche in der Batterie- und Automobilzulieferindustrie bedeutet das: Eine heimische Lithiumversorgung bleibt mittelfristig realistisch, aber nicht vor 2030. Bis dahin bleibt die Abhängigkeit von Importen bestehen.
Fazit
Der Abschluss der Pilotphase in der Altmark ist ein technischer Meilenstein, kein wirtschaftlicher Durchbruch. Das Adsorptionsverfahren hat sich in der Erprobung bewährt, muss aber noch zur Industriereife gebracht werden. Neptune Energy hat einen Fahrplan bis 2030, muss dabei aber den Widerstand in der Region und Altlastenvorwürfe managen. Wer in der Lieferkette auf europäisches Lithium setzt, sollte diesen Standort im Blick behalten, aber keine kurzfristige Entlastung erwarten.




















