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Die Anlage Afyren Neoxy im französischen Carling Saint-Avold, Département Moselle, produziert biobasierte Säuren und Düngemittel auf Basis nachwachsender Rohstoffe. Seit der Wiederaufnahme des Betriebs im Juli 2026 hat das Unternehmen dort mehr als 200 Tonnen dieser Produkte hergestellt. Kumuliert seit dem Start der Hochlaufphase im Juni 2025 überschreitet die Anlage damit die Schwelle von 1.000 Tonnen produzierter Säuren.

Kapazität noch nicht ausgeschöpft

Die Zahlen zeigen Fortschritt, enthalten aber eine klare Einschränkung. Die nachgewiesene Produktionskapazität erreichte nach eigenen Angaben des Unternehmens mehrfach 30 Prozent der Nennkapazität. Über einen Zeitraum von 48 Stunden wurden bis zu 40 Prozent erreicht. Stand August 2026 liegt die tatsächliche Leistung damit unter den internen Erwartungen des Teams.

Afyren hat Korrekturmaßnahmen eingeleitet. Ziel ist eine stabilere Prozesssteuerung und höhere Anlagenzuverlässigkeit im Dauerbetrieb. Ein Produktionsstillstand im Juni diente nach Unternehmensangaben dazu, wesentliche technische Engpässe zu beseitigen. Die Anlage bedient in erster Linie den europäischen Markt.

Umsatz soll sich im zweiten Halbjahr verdoppeln

Afyren hat ein konkretes Ziel für das zweite Halbjahr 2026 formuliert: Der Umsatz der Anlage Neoxy soll gegenüber den ersten sechs Monaten mindestens verdoppelt werden. Das würde eine deutliche Produktionssteigerung voraussetzen. Für das Gesamtjahr 2026 strebt das Unternehmen eine Produktion im Bereich mehrerer Tausend Tonnen an, verglichen mit mehreren Hundert Tonnen im Jahr 2025.

Mehrere neue Lieferverträge sollen sich nach Unternehmensangaben kurz vor dem Abschluss befinden. Konkrete Abnehmer oder Volumina wurden nicht genannt.

Klimaresilienz als Wettbewerbsargument

Der Sommer 2026 war in Frankreich von mehreren Hitzewellen geprägt. Teile der konventionellen Chemieindustrie mussten den Betrieb aufgrund von Wasserknappheit einschränken oder Force Majeure erklären. Afyren verweist auf ein integriertes System zur Wiederverwendung von Prozesswasser. Damit habe man den Betrieb in dieser Phase aufrechterhalten können, während andere Standorte stillstanden.

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Das Fermentationsverfahren, mit dem Afyren biobasierte Carbonsäuren aus Zuckersubstraten herstellt, kommt laut Unternehmen mit einem deutlich geringeren CO2-Fußabdruck aus als vergleichbare petrochemische Prozesse. Für Chemieabnehmer, die ihre Scope-3-Emissionen senken wollen, wird dieser Ansatz in der Lieferkette relevant. Scope-3 bezeichnet die indirekten Emissionen, die durch eingekaufte Vorprodukte entstehen.

Was das für Einkäufer und Produktionsverantwortliche bedeutet

Afyren Neoxy ist bislang die einzige Industrieanlage des Unternehmens und befindet sich weiterhin im Hochlauf. Eine stabile Lieferfähigkeit auf dem angestrebten Skalenniveau ist noch nicht belegt. Unternehmen, die biobasierte Säuren in ihre Lieferkette integrieren wollen, sollten die Produktionsentwicklung im zweiten Halbjahr 2026 als Indikator für die tatsächliche Lieferfähigkeit beobachten.

Die kommunizierten Mengen von bisher 1.000 Tonnen kumuliert seit Juni 2025 geben eine Orientierung zur Anlagengröße. Zum Vergleich: Konventionelle Produktionsanlagen für organische Säuren in Europa arbeiten typischerweise in Größenordnungen von mehreren Zehntausend Tonnen jährlich. Afyren bewegt sich noch auf einem anderen Skalenniveau.

Fazit

Afyren Neoxy hat einen operativen Meilenstein erreicht, kämpft aber weiterhin mit einem schleppenden Hochlauf. Das Ziel, den Umsatz im zweiten Halbjahr 2026 zu verdoppeln, ist ehrgeizig. Ob die Anlage die dafür nötige Produktionsstabilität erreicht, wird sich in den nächsten Monaten zeigen. Für die chemische Industrie und ihre Abnehmer bleibt Afyren ein Anbieter, dessen Lieferfähigkeit noch unter Beweis gestellt werden muss.