Stell dir vor, mehr als zwei Drittel aller Industriebetriebe denken ernsthaft darüber nach, ihre Fabriken zu verlegen. Diese Zahl ist kein Gedankenspiel, sondern das Ergebnis einer aktuellen Studie.
Deloitte und der Bundesverband der deutschen Industrie (BDI) haben Lieferketten-Verantwortliche befragt. Das Ergebnis ist eindeutig und betrifft viele Branchen.
Automobilhersteller, Technologieunternehmen, Maschinenbauer sowie die Energie- und Chemieindustrie sind betroffen. Die Umfrage zeigt einen klaren Trend für die nächsten Jahre.
Die Gründe für diesen Schritt sind vielfältig. Handelskonflikte und veränderte Kosten spielen eine große Rolle. Auch Standortnachteile in Deutschland werden häufig genannt.
Diese Entwicklung hat weitreichende Folgen. Sie betrifft nicht nur die reine Fertigung von Gütern. Immer öfter zieht auch Forschung und Entwicklung mit ins Ausland.
Die wirtschaftlichen und politischen Konsequenzen sind enorm. Die Studie ist ein deutliches Signal für dringenden Handlungsbedarf.
Das Wichtigste in Kürze
- Eine aktuelle Deloitte-BDI-Studie belegt einen massiven Trend zur Verlagerung industrieller Fertigung.
- Betroffen sind vor allem Großunternehmen aus Schlüsselbranchen wie Automobil und Maschinenbau.
- Die Pläne sehen einen Zeitraum von zwei bis drei Jahren vor.
- Hauptgründe sind Handelskonflikte, hohe Kosten und Standortnachteile in Deutschland.
- Die Verlagerung betrifft zunehmend auch Forschungs- und Entwicklungsabteilungen.
- Die Entwicklung stellt den Wirtschaftsstandort Deutschland vor eine große Herausforderung.
- Die Zahlen signalisieren politischen und wirtschaftlichen Handlungsbedarf.
Hintergrund und aktuelle Entwicklungen
Was treibt so viele Betriebe dazu, ihre Fertigung ins Ausland zu verlegen? Die Antwort liegt in geopolitischen Spannungen und wirtschaftlichen Verschiebungen.
Auslöser: Handelskonflikte und Protektionismus
Zölle und Handelsbeschränkungen zwingen Firmen, ihre globalen Lieferketten neu zu überdenken. Politische Unsicherheiten erschweren die Planung.
Besonders die von der US-Regierung eingeführten Zölle schaffen einen starken Anreiz. Viele Betriebe wollen ihre Produktionsstätten näher am amerikanischen Markt haben.

Erste Veränderungen in der Fertigung
Die Veränderungen sind bereits im Gange. Fast jedes fünfte Unternehmen hat heute keine Produktion mehr in Deutschland.
Vor zwei Jahren lag dieser Anteil noch bei elf Prozent. Im Vergleich hat sich der Wert fast verdoppelt.
Diese Entwicklung kam nicht plötzlich. Bayerische Firmen investieren seit 2013 schneller im Ausland, als sie exportieren.
Die Abwanderung betrifft inzwischen nicht nur die reine Fertigung. Hochwertige Bereiche wie Forschung und Entwicklung sind zunehmend betroffen.
Verschiedene Umfragen bestätigen diesen besorgniserregenden Trend für die kommenden Jahre.
68 Prozent der Unternehmen erwägen Produktionsverlagerung ins Ausland – Beweggründe und Trends
Innerhalb der nächsten Jahre steht eine tiefgreifende Veränderung der deutschen Industrielandschaft bevor. Die Deloitte-BDI-Befragung zeigt, dass eine bemerkenswerte Mehrheit der Betriebe konkret plant, Fertigungskapazitäten ins Ausland zu verlagern. Diese Vorhaben sind nicht vage, sondern auf einen Zeitraum von zwei bis drei Jahren festgelegt.
Zeitrahmen und strategische Verschiebungen
Für die Betriebe geht es darum, ihre Wettbewerbsfähigkeit langfristig zu sichern. Sie reagieren auf strukturelle Nachteile am Standort Deutschland. Hohe Energiepreise, komplexe Bürokratie und ungünstige Steuern werden als Hauptgründe genannt.
Kostenvorteile im Ausland stehen dabei klar im Vordergrund. Diese Beweggründe sind inzwischen wichtiger als klassische Motive wie die Nähe zu Absatzmärkten. Die Verlagerung ist eine strategische Antwort auf diese Herausforderungen.
Die Daten sind alarmierend. Über ein Viertel der befragten Betriebe rechnet mit sinkender Inlandsproduktion. Sieben Prozent erwägen sogar deren komplette Einstellung.
Gleichzeitig gehen 21 Prozent der Befragten davon aus, dass ihr Anteil an Produktion im Ausland bis 2027 weiter steigt. Verschiedene Umfragen bestätigen diesen fundamentalen Trend. Für viele ist die Suche nach einer neue Herausforderung gesucht daher ein logischer Schritt.
Ziele und Erfolgspfade: Von Europa über die USA nach Asien
Die Studie offenbart nicht nur den Trend zur Verlagerung, sondern auch die bevorzugten Ziele. Du siehst hier, wohin die Kapazitäten wandern sollen.
Europa: Verschiebungen innerhalb des Kontinents
Für dreißig von hundert befragten Betrieben bleibt Europa das Ziel. Sie planen, ihre Produktion in ein anderes europäisches Land zu verlegen.
Die Nähe zum Heimatmarkt und gemeinsame Regeln sind wichtig. Oft sind niedrigere Kosten oder spezielle Förderungen der Grund.
USA und Asien als neue Produktionsstandorte
Die USA gewinnen stark an Anziehungskraft. Sechsundzwanzig Prozent der Unternehmen wollen dorthin.
Zölle und der große nordamerikanische Markt sind entscheidend. Bei bayerischen Firmen liegt der Anteil sogar bei 27,3 Prozent.
Asien bleibt ein kostengünstiger Standort. Sechzehn Prozent zieht es nach China, vierzehn nach Indien.
Neunzehn Prozent planen die Produktion im Ausland in anderen asiatischen Ländern. Doch es gibt auch Gegenbewegungen.
Neun Prozent holen Fertigung aus China zurück nach Europa. Sieben Prozent verlagern sogar aus den USA zurück.
Das zeigt, dass die Wahl des Standorts flexibel bleibt. Firmen passen ihre Pläne an, wenn sich Bedingungen ändern.
| Zielregion | Geplanter Anteil | Hauptvorteil |
|---|---|---|
| Europa (anderes Land) | 30 % | Nähe, gemeinsame Rechtsordnung |
| USA | 26 % | Marktnähe, Zollpolitik |
| China | 16 % | Kostenvorteile |
| Indien | 14 % | Kostenvorteile |
| Andere asiatische Länder | 19 % | Kostenvorteile |
| Rückverlagerung nach Europa (aus China) | 9 % | Risikostreuung, Qualität |
| Rückverlagerung nach Europa (aus USA) | 7 % | Strategieanpassung |
Auswirkungen auf Produktion und Forschung in Deutschland
Für viele Regionen in Deutschland wird die Abwanderung der Industrie zu einer existenziellen Herausforderung. Du siehst hier, wie sich die Verlagerungswelle konkret auswirkt.
Neuausrichtung in der Werklandschaft und bei F&E
Die Werklandschaft verändert sich grundlegend. Vor zwei Jahren hatten elf Prozent der Betriebe keine Produktion mehr im Inland.
Heute liegt dieser Anteil schon bei neunzehn Prozent. Das ist ein starker Anstieg in kurzer Zeit.
Die Verlagerung erfasst nicht nur die einfache Fertigung. Immer mehr Firmen verlagern auch ihre Forschung ins Ausland.
Die regionalen Konsequenzen sind schwerwiegend. Es gehen Arbeitsplätze und industrielle Wertschöpfung verloren.
Kommunen haben weniger Steuereinnahmen. Die Infrastruktur in betroffenen Gebieten schwächt sich ab.
| Kennzahl | Vor 2 Jahren | Heute / Erwartung | Trend |
|---|---|---|---|
| Betriebe ohne deutsche Produktion | 11 % | 19 % | Stark steigend |
| Unternehmen erwarten sinkende Inlandsproduktion | – | > 25 % | Besorgniserregend |
| Firmen erwägen komplette Einstellung | – | 7 % | Kritisch |
| Verlagerung von F&E-Aktivitäten | Beginnend | Zunehmend | Gefährdet Innovation |
Diese Entwicklung ist über Jahre gewachsen. Seit 2013 wachsen Auslandsinvestitionen schneller als Exporte.
Schlüsselbranchen wie Automobil und Maschinenbau sind betroffen. Deutschland muss jetzt handeln, um seine industrielle Basis zu sichern.
Wettbewerbsfähigkeit und europäische Förderpolitik im Fokus
Die Kritik der Gewerkschaften an der EU-Förderpolitik wirft ein Schlaglicht auf ein strukturelles Problem. Eine aktuelle Ifo-Umfrage bestätigt, dass viele Firmen ihre Position im globalen Vergleich als schwächer empfinden.
Kritik an subventionierten Standortwechseln
Die IG Metall Bayern übt scharfe Kritik. Sie sieht einen subventionierten Arbeitsplatzabbau durch EU-Gelder.
Horst Ott, Bezirksleiter der IG Metall Bayern, erklärt das Problem. „Es ist nicht hinnehmbar, dass Betriebe profitable Standorte in Deutschland schließen und gleichzeitig EU-Subventionen für neue Standorte im Ausland erhalten.“
Diese Praxis fördere Lohndumping und sozialen Wettbewerb innerhalb der EU. Ein bekanntes Beispiel ist der Augsburger Roboterhersteller Kuka, der Teile seiner Produktion nach Ungarn verlagert.
Ott schildert ein verbreitetes Muster. Viele Unternehmen richten ihre Investitionen danach aus, wo sie die meisten Fördergelder erhalten.
Manche profitieren sogar doppelt. Erst bei der Ansiedlung in Deutschland, dann bei der Verlagerung der Produktion ins Ausland.
Vertrauensverlust und langfristige Marktposition
Die Gewerkschaft fordert eine Reform der EU-Förderpolitik. Subventionen dürfen nicht für Standortverlagerungen mit Arbeitsplatzabbau genutzt werden.
EU-Gelder sollen nur an Betriebe gehen, die an allen Standorten Tarifverträge respektieren. Diese Forderung zielt auf fairen Wettbewerb ab.
Die Ifo-Umfrage zeigt die Dringlichkeit. Über ein Drittel der befragten Betriebe sieht die eigene Wettbewerbsfähigkeit im Sinkflug.
Kurzfristige Kostenvorteile durch Verlagerung können trügerisch sein. Experten warnen, dass sich ein neuer Standort nicht immer als sicherer Hafen erweist.
Langfristig schadet diese Praxis dem Vertrauen in den europäischen Binnenmarkt. Sie stärkt populistische und europafeindliche Kräfte.
Ausblick und Handlungsansätze für Unternehmen
Experten sehen in den alarmierenden Zahlen einen klaren Weckruf für Politik und Wirtschaft. Wolfgang Niedermark vom BDI fordert entschlossenes Handeln, um Standortnachteile zu beseitigen. Die Mobilisierung privater Investitionen in Schlüsseltechnologien ist dabei zentral.
Du musst als Firmenlenker Verlagerungsentscheidungen sorgfältig abwägen. Deloitte-Experte Jürgen Sandau warnt: Kurzfristige Kostenvorteile schwinden schnell, wenn der neue Standort instabil ist oder Lieferketten reißen.
Die nächsten zwei bis drei Jahre sind entscheidend. Bertram Brossardt warnt vor der Deindustrialisierung als Preis für Wettbewerbsnachteile. Die Umfrage zeigt aber auch: Bei verbesserten Bedingungen ist eine Rückkehr der Produktion möglich.


















