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Der Handelskonflikt zwischen den USA und Kanada eskaliert weiter. US-Präsident Donald Trump hat angekündigt, zum 1. Januar 2027 die Zölle auf Autos, Lastwagen, Autoteile und Stahl aus Kanada auf 50 Prozent zu verdoppeln. Die bisherigen Abgaben auf Fahrzeuge und Teile lagen bei 25 Prozent. Trump veröffentlichte die Ankündigung am 24. August 2026 auf seiner Plattform Truth Social.
Gescheiterte Verhandlungen als Auslöser
Unmittelbarer Auslöser ist das Scheitern von Handelsgesprächen in der Nacht zu Samstag, dem 23. August. Danach traten US-Zölle von 50 Prozent auf kanadische Exportgüter in Kraft. Betroffen sind alkoholische Getränke, Milchprodukte, Hockeyschläger und Sperrholz.
Kanadas Premierminister Mark Carney reagierte umgehend. Ab dem 8. September greifen kanadische Gegenzölle. Sie treffen die US-Stahl- und Milchindustrie, die Papierbranche, Agrarmaschinen sowie Elektronik.
Die rechtliche Grundlage für die US-Zölle auf Fahrzeuge und Teile ist Abschnitt 232 des Trade Expansion Acts aus dem Jahr 1962. Dieser erlaubt dem US-Präsidenten Importbeschränkungen aus Gründen der nationalen Sicherheit. Auf Stahl, Aluminium und Kupfer erheben die USA bereits Importabgaben zwischen 10 und 50 Prozent.
Automobilindustrie im Zentrum des Konflikts
Fünf große Hersteller produzieren in Kanada Fahrzeuge: Honda, Toyota, Ford, General Motors und Stellantis. Für diese Werke bedeuten 50-Prozent-Zölle erheblichen Kostendruck, soweit Fahrzeuge und Teile in die USA exportiert werden.
Trump stellte in seiner Ankündigung erneut in Aussicht, dass Unternehmen die Abgaben umgehen können, indem sie ihre Produktion in die USA verlagern. Für Werke mit Investitionszyklen von zehn Jahren und mehr ist das keine kurzfristige Option.
Lieferketten beiderseits der Grenze betroffen
Die Volkswirtschaften der USA und Kanadas sind strukturell eng verflochten. Rund 70 Prozent aller kanadischen Exporte gehen in die Vereinigten Staaten. Im Automobilbereich überqueren Teile und Komponenten die Grenze oft mehrfach, bevor ein Fahrzeug fertiggestellt ist.
Zölle von 50 Prozent auf Teile verteuern daher auch US-amerikanische Hersteller, die auf kanadische Zulieferer angewiesen sind. Mehr als 200 US-Konzerne haben laut Medienberichten neue Verhandlungen gefordert.
Kein Zeichen der Entspannung
Trump begründete seine Zolldrohung erneut mit dem Vorwurf, Kanada beute die USA seit Jahren aus. Er wiederholte frühere Äußerungen, Kanada solle Teil der USA werden. Diese Aussagen haben die diplomatischen Beziehungen seit Monaten belastet.
Kanada zeigt keine Bereitschaft nachzugeben. Premierminister Carney hat seine Unterhändler zurückgerufen. Ein Abkommen zu den aktuellen US-Bedingungen lehnt Ottawa ab.
Einordnung
Für Einkaufs- und Produktionsverantwortliche in der deutschen und europäischen Industrie ist die Entwicklung ein Signal zur Lagebeurteilung der eigenen Nordamerika-Lieferketten. Wer Vorprodukte aus Kanada bezieht oder Fertigwaren über den US-Markt verkauft, sollte prüfen, ob Zollsätze von 50 Prozent in der eigenen Kalkulation als Szenario hinterlegt sind. Ein Abkommen ist bis zum Jahresende nicht in Sicht.




















