Hinweis: Das Beitragsbild wurde mit künstlicher Intelligenz erzeugt.
Im Norden Brandenburgs speist seit Mitte August ein neuer Freiflächen-Solarpark mit 114 Megawatt Leistung ins Netz ein. Die Anlage Halenbeck II erzeugt nach Angaben der Betreibergesellschaft jährlich bis zu 120.000 Megawattstunden Strom. Gebaut hat sie PVX Energy aus Berlin. Der Park wird nicht über das Erneuerbare-Energien-Gesetz gefördert; der Strom läuft vollständig über privatwirtschaftliche Abnahmeverträge.
PPA als Finanzierungsgrundlage
Power Purchase Agreements, kurz PPA, sind langfristige Direktlieferverträge zwischen Erzeuger und Abnehmer. Sie ersetzen die staatliche Vergütung und geben beiden Seiten Planungssicherheit über Preis und Menge. Bei Halenbeck II laufen die Verträge über zehn Jahre.
Hauptabnehmer ist Shell Energy Europe. Das Unternehmen übernimmt rund drei Viertel der erzeugten Strommenge. Shell nutzt den Strom unter anderem für den Elektrolyseur REFHYNE 2, eine 100-Megawatt-Anlage zur Wasserstofferzeugung, die Linde derzeit in Wesseling bei Köln errichtet. Der Rest des Stroms geht an Finanz Informatik sowie an Finanz Informatik Technologie Service.
Sparkassen-Finanzgruppe als Investor und Kreditgeber
Das Projekt ist vollständig innerhalb der Sparkassen-Finanzgruppe strukturiert. Die DAL Deutsche Anlagen-Leasing hält 50 Prozent der Betreibergesellschaft Solarkraftwerk Halenbeck-Rohlsdorf II GmbH und hat die Fremdfinanzierung des Parks organisiert.
Das Finanzierungskonsortium besteht aus der Sparkasse Oberhessen, der Ostsächsischen Sparkasse Dresden, der Sparkasse Marburg-Biedenkopf sowie der DAL und Deutsche Leasing Finance als Konsortialführer. Auch die Stromkunden Finanz Informatik und Finanz Informatik Technologie Service gehören zur Sparkassen-Finanzgruppe. Die gesamte Wertschöpfungskette des Projekts liegt damit weitgehend in einem Verbund.
Standort profitiert steuerlich
Die Projektgesellschaft ist in der Gemeinde Halenbeck-Rohlsdorf angesiedelt. Die Kommune erhält dadurch Gewerbesteuereinnahmen sowie die gesetzlich vorgesehene Gemeindeabgabe für Erneuerbare-Energien-Projekte. Diese Regelung soll Kommunen einen direkten finanziellen Anreiz geben, Flächen für Solarparks bereitzustellen.
Was das Modell für Industriebetriebe bedeutet
Das Projekt zeigt, wie Großabnehmer ihren Strombezug langfristig absichern können, ohne auf Börsenpreise angewiesen zu sein. Für energieintensive Betriebe bedeutet ein PPA kalkulierbare Stromkosten über einen definierten Zeitraum. Gegenleistung ist die Abnahmeverpflichtung, unabhängig vom jeweiligen Marktpreis.
Shell nutzt das Modell, um seinen Wasserstoffbetrieb mit bilanziell gesichertem Solarstrom zu betreiben. Das ist vor allem für Industrieunternehmen relevant, die Scope-2-Emissionen ausweisen müssen. Scope-2 bezeichnet indirekte Treibhausgasemissionen aus dem Strombezug. Ein PPA mit einem dedizierten Erzeugungsprojekt gilt dabei als belastbarer als der Kauf von Herkunftsnachweisen.
Fazit
Halenbeck II ist ein Beispiel für die PPA-Strukturen, die sich in Deutschland etabliert haben. Kein EEG, keine staatliche Garantie: Investoren, Kreditgeber und Abnehmer tragen das wirtschaftliche Risiko selbst. Für Produktions- und Einkaufsleiter in energieintensiven Branchen bleibt die Frage relevant, ob langfristige Direktverträge mit Erzeugern eine Alternative zur Strombeschaffung über den Spotmarkt sind. Halenbeck II zeigt, dass das Modell auch im dreistelligen Megawatt-Bereich funktioniert.




















